Varizellen/generalisierter Herpes zoster, Masern (Aerosolisolation)

 Varizellen/Herpes zosterMasern
Übertragung
  • Aerosole*, Kontakt mit respiratorischen Sekreten auf Schleimhäuten
  • Übertragung durch Bläschenflüssigkeit mit Vireninhalt bei Einhalten der Standardmassnahmen ausgeschlossen
  • Aerosole*, Kontakt mit respiratorischen Sekreten
Inkubation, Klinik, Ansteckungsdauer

Primärinfektion

  • Inkubationszeit: 8-21 Tage (meist 14-16)
  • Vesikuläres Exanthem, verschiedene Stadien gleichzeitig („Sternenhimmel“)
  • Starker Juckreiz, Kopf-/Gliederschmerzen, leichtes Fieber
  • Komplikationen (bei Erwachsenen häufiger und schwerer): Pneumonie, Meningitis, u.a.
  • Dauer der Ansteckungsfähigkeit: 1-2 (max. 5 Tage) vor Beginn des Exanthems bis zur Verkrustung aller Bläschen

Herpes zoster/Gürtelrose

  • Reaktivierung von Varizella-Zoster-Viren
    • Lokalisiert: ≤ 3 Dermatome
    • Generalisiert (disseminiert): > 3 Dermatome oder Beteiligung von Gesichtsnerven
  • Inkubationszeit: 7-18 Tage (meist 10 Tage)
  • Makulopapulöses Exanthem nach durchschnittlich 14 Tagen
  • Rhinitis, Husten, Halsschmerzen, Konjunktivitis
  • Komplikationen (bei Erwachsenen häufiger und schwerer): Pneumonie, Meningoenzephalitis (1:400)
  • Dauer der Ansteckungsfähigkeit: Prodromalstadium bis mindestens 4 Tage nach Auftreten des Exanthems
Immunität
  • Krankheit durchgemacht oder
  • 2 Impfungen erfolgt oder
  • positive Varizellen-IgG-Antikörper
  • Person 1964 geboren oder älter oder
  • Masern durchgemacht und 1 x geimpft oder
  • 2 Impfungen erfolgt oder
  • positive Masern-IgG-Antikörper

*Beim Husten oder Niesen werden grössere respiratorische Tröpfchen (>5 µm) ausgestossen, aus denen durch Verdunstung Aerosole (< 5 µm) entstehen. Diese werden länger in der Luft suspendiert und können somit über eine grössere Distanz Erreger übertragen.

  • Klinischer Verdacht oder bestätigte Varizellen/generalisierter Herpes zoster (> 3 Dermatome oder Dermatome im Gesicht/Ohr)
  • Klinischer Verdacht oder bestätigte Masern

Räumliche Trennung

  • Einzelzimmer, wenn möglich mit WC und Dusche

Zimmermarkierung

Einrichten Isolation

  • Tuberkulose-Maske, Händedesinfektionsmittel und Abfalleimer zur Entsorgung der Maske vor dem Patientenzimmer

FFP-2 (TB)-Maske

Indikationen

  • Varizellen/generalisierter Herpes zoster, Masern: Nur nicht immunes Personal oder unbekannter Immunstatus

Handhabung

  • Anziehen der Maske vor Betreten des Zimmers (korrektes Anziehen)
  • Ausziehen der Maske nach Verlassen des Zimmers und entsorgen

Standardmassnahmen

Aufenthalt ausserhalb des Patientenzimmers

  • Kein Aufenthalt
    • Auf der Station ausserhalb des Patientenzimmers
    • In Spitalräumlichkeiten (inkl. Cafeteria)
  • Benutzung Stationsdusche/-toilette
    • Patient trägt auf dem Weg zur Dusche eine chirugische Maske
  • Aufenthalte im Freien möglich
    • Auf dem Weg ins Freie/innerhalb der Gebäude: Tragen einer chirurgischen Maske

Untersuchungen/Eingriffe ausserhalb Patientenzimmer

  • Information Zielabteilung/Untersucher/Transportdienst
  • Begleitung auf Transport durch Pflegeperson
  • Patient trägt ausserhalb seines Zimmers immer eine chirurgische Maske
  • Mitnehmen von TB-Masken zur Verhinderungen von Exposition, falls
    • Patient Maske auszieht
    • Patient für Untersuchung Maske ausziehen muss
  • Nach Untersuchungen, bei denen der Patient keine Maske tragen kann,
    • sind  bis 1 Stunde (bei zusätzlichem Öffnen des Fensters bis 30 min) keine weiteren Patientenuntersuchungen möglich
    • trägt das Personal während dieser Zeit eine TB-Maske

Aerosolisolation im OP

  • Schwangeren oder schwer immunsupprimierten Personen vom Besuch abraten

  • Nur nicht-immune Besucher oder unbekannter Immunstatus müssen eine TB-Maske tragen
    • Instruktion durch Pflege über korrektes Tragen der TB-Maske
    • Anziehen der Maske vor Betreten des Zimmers
    • Ausziehen/Entsorgung der Maske nach Verlassen des Zimmers

 

 

Massnahmen bei Varizellen/generalisiertem Herpes Zoster, Masern

Planung Operation/Eingriff

  • Hinweis auf die Aerosolisolation bei Anmeldung
  • Weitergabe der Information an die verantwortlichen Personen, bei Abteilungswechsel Info über Aerosolisolation an post-operative Abteilung

Vor Operation/Eingriff

  • Personal
    • Standardmassnahmen
    • FFP 2 (TB)-Maske: Nur nicht immunes Personal oder unbekannter Immunstatus
  • Einschleusen/Umbetten
    • Umlagerung in der Bettenschleuse
    • Alle Vorbereitungen werden im OP-Saal durchgeführt
  • Patient trägt bis zur Intubation eine chirurgische Maske

Während Operation/Eingriff

  • Personal
    • Standardmassnahmen
    • FFP 2 (TB)-Maske (vor dem OP-Saal anziehen, nur nicht immunes Personal oder unbekannter Immunstatus)
  • Patient
    • keine zusätzlichen Massnahmen
  • Zusätzliches Material wird von Mitarbeitern ausserhalb des Saales bis zur Türe gebracht und dort übergeben

Nach Operation/Eingriff

  • Personal
    • Ausziehen der TB-Maske nach Verlassen des OP
    • Hygienische Händedesinfektion
  • Patient
    • Extubation  im OP-Saal
    • Wenn Patient Sauerstoff benötigt, Ventimaske benutzen (auch für den Transport)
    • Kein Aufenthalt im Aufwachraum
    • Chirurgische Maske bei Verlegung
Reinigung
  • Reinigungspersonal OP-Saal
    • Tragen einer FFP 2 (TB)-Maske während 30 min nachdem der Patient den OP-Saal verlassen hat (Nur nicht immunes Personal oder unbekannter Immunstatus)
  • Reguläre Zwischenreinigung
Absaugglas
  • Verwendung Sekretbehälter mit Sekretbeutel
    • Entsorgung nach Gelierung in regulären Abfall
  • Mehrwegglas (Freisetzung von Tuberkelbakterien verhindern)
    • Öffnung des Deckels für den Transport zukleben
    • Beim Entleeren tragen einer FFP 2 (TB)-Maske (nur nicht immunes Personal oder unbekannter Immunstatus)
Beatmungsgeräte
  • Beatmungsgeräte in der Regel mit geschlossenem  Luft-Kreislauf versehen. Der bei jedem Patienten eingesetzte Filter (z.B. Pall BB25) ist auch für Viren wirksam
  • Wechsel der Beatmungsschläuche nach Operation
    • Einweg: Entsorgung
    • Mehrweg: Thermische Desinfektion in der RDM direkt nach der Operation

 

Tägliche Zimmerreinigung/-desinfektion

  • Es gelten die üblichen Arbeitsabläufe

Verbrauchsmaterial, Geräte, Gegenstände, Instrumente

  • Es gelten die üblichen Arbeitsabläufe

Abfall, Wäsche, Geschirr

  • Es gelten die üblichen Arbeitsabläufe

Aufhebung Isolation

  • Durch Infektiologie oder Spitalhygiene
    • Varizellen: Nach Verkrustung aller Bläschen bzw. frühestens 5 Tage nach Auftreten der ersten Bläschen
    • Masern: In der Regel mindestens 4 Tage ab Auftreten des Exanthems

Schlussreinigung/Desinfektion

  • Keine Schlussdesinfektion
  • Nach Verlegung/Entlassung/Tod des Patienten trägt nicht immunes Personal in diesem Zimmer während einer Stunde (bei zusätzlichem Öffnen des Fensters oder bei aktiver Unterdruckbelüftung bis 30 min) eine TB-Maske
  • Information Reinigung: KSSG, SRRWS, SRFT, Spital Linth, SVAR, STGAG, KispiSG, KZGA
  • Ansonsten gelten die üblichen Arbeitsabläufe

 

Vorgehen allgemein

Personal

Umgebungsuntersuchung

  • Bei Exposition ohne erfolgte Schutzmassnahmen erfolgt eine Umgebungsuntersuchung
  • Initiierung durch die Spitalhygiene

Ablauf

  1. Meldung an Spitalhygiene
  2. Erstellen der Meldeliste pro betroffene Abteilungen/Bereiche (Notfall, Röntgen, EKG, etc.):
  3.  Zustellung der vollständigen Liste an den PAD, der die betroffenen Mitarbeiter über das weitere Vorgehen informiert bzw. zum Untersuchungstermin aufbietet

Rettung St. Gallen

  • Meldung durch die Spitalhygiene an die Kantonale Notrufzentrale (KNZ) 058 229 49 44

Mitpatienten, Angehörige

  • Evaluation Immunität durch Stationsärzte mit Unterstützung der Spitalhygiene

Massnahmen krankheitsspezifisch