Tuberkulose (Aerosolisolation)

Spitalhygiene

Alle Isolationen müssen gemeldet werden: KSSG, SRRWS, SRFT, Spital Linth, SVAR, STGAGKispiSG, KZGA

Kantonsarzt

Bestimmte Krankheiten/Erreger müssen dem BAG via Kantonsarzt gemeldet werden. Link Meldung Kantonsarzt

Definitionen

  • Übertragbare (=offene) Tuberkulose
    • Nachweis von säurefesten Stäbchen aus respiratorischen Proben (Sputum, Bronchialsekret, bronchoalveoläre Lavage-Flüssigkeit, Laryngealabstrich) oder positiver GeneXpert®-PCR-Test (Schnelltest)
    • Operationen im infizierten Gewebe: Aerosolbildung beim Fräsen/Spülen/Absaugen
    • Magensaftgewinnung bei Kleinkindern
  • Nicht übertragbare (geschlossene) Tuberkulose
    • Alle anderen Formen (abdominal, urogenital, Lymphknoten, etc.)

Quellen

  • Von Mensch zu Mensch

Übertragungsweg

Beim Husten oder Niesen werden grössere respiratorische Tröpfchen (>5 µm) ausgestossen, aus denen durch Verdunstung Aerosole (< 5 µm) entstehen. Diese werden länger in der Luft suspendiert und können somit über eine grössere Distanz Erreger übertragen.

  • Verdacht auf offene Tuberkulose
    • Klinik und Thorax-Röntgenbefund vereinbar mit Tuberkulose
    • Cave: Bei primär extrapulmonaler Tuberkulose haben bis 17% zusätzlich eine offene Lungentuberkulose
  • Bestätigte offene Tuberkulose
    • Nachweis von säurefesten Stäbchen im Direktpräparat und/oder positiver GeneXpert®-PCR-Test aus respiratorischem Material (Sputum, Bronchialsekret, bronchoalveoläre Lavage-Flüssigkeit, Larynxabstrich)
    • Bei positivem PCR-Test und negativem Direktpräparat abhängig von Klinik und Radiologie
  • Operationssaal: Bei Operationen in infiziertem Operationsgebiet (z.B.: Knochen-, Lymphknoten-TB)
  • In der Regel keine Isolation bei Patienten
    • mit Tuberkulose ohne Hinweise für offene Tuberkulose
    • mit negativem GeneXpert®-PCR-Test aus respiratorischen Proben

Räumliche Trennung

  • Einzelzimmer, wenn möglich mit WC und Dusche
  • Offene Tuberkulose: Wenn möglich mit Unterdruck

Zimmermarkierung

Einrichten Isolation

  • TB-Maske, Händedesinfektionsmittel und Abfalleimer zur Entsorgung der Maske vor dem Patientenzimmer

FFP 2 (TB)-Maske

Handhabung

  • Anziehen vor Betreten des Zimmers (korrektes Anziehen)
  • Ausziehen der Maske nach Verlassen des Zimmers und entsorgen

Multiresistente Tuberkulose

  • Tragen einer FFP 3 Maske mit Ausatmungsventil (nur für Personal)

Standardmassnahmen

Aufenthalt ausserhalb des Patientenzimmers

  • Kein Aufenthalt
    • Auf der Station ausserhalb des Patientenzimmers
    • In Spitalräumlichkeiten (inkl. Cafeteria)
  • Benutzung Stationsdusche/-toilette
    • Patient trägt auf dem Weg zur Dusche eine chirugische Maske
  • Aufenthalte im Freien möglich
    • Auf dem Weg ins Freie/innerhalb der Gebäude: Tragen einer chirurgischen Maske

Untersuchungen/Eingriffe ausserhalb Patientenzimmer

  • Information Zielabteilung/Untersucher/Transportdienst
  • Begleitung auf Transport durch Pflegeperson
  • Patient trägt ausserhalb seines Zimmers immer eine chirurgische Maske
  • Mitnehmen von TB-Masken zur Verhinderungen von Exposition, falls
    • Patient Maske auszieht
    • Patient für Untersuchung Maske ausziehen muss
  • Nach Untersuchungen, bei denen der Patient keine Maske tragen kann,
    • sind  bis 1 Stunde (bei zusätzlichem Öffnen des Fensters bis 30 min) keine weiteren Patientenuntersuchungen möglich
    • trägt das Personal während dieser Zeit eine TB-Maske

Aerosolisolation im OP

Patienteninformationen

  • Instruktion durch Pflege über korrektes Tragen der Tuberkulose-Maske
    • Anziehen der Maske vor Betreten des Zimmers und im Zimmer
    • Ausziehen/Entsorgung der Maske nach Verlassen des Zimmers

 

 

Massnahmen offene Lungen-TB

Massnahmen Eingriff im infizierten Gewebe

Planung Operation/Eingriff

  • Hinweis auf die TB-Aerosolisolation bei Anmeldung
  • Weitergabe der Information an die verantwortlichen Personen, bei Abteilungswechsel Info über TB-Aerosolisolation an post-operative Abteilung
  • Hinweis auf die TB-Aerosolisolation bei Anmeldung

Vor Operation/Eingriff

  • Personal
    • Standardmassnahmen
    • FFP 2 (TB)-Maske
  • Einschleusen/Umbetten
    • Umlagerung in der Bettenschleuse
    • Alle Vorbereitungen werden im OP-Saal durchgeführt
  • Patient trägt bis zur Intubation eine chirurgische Maske
  • Keine speziellen Vorkehrungen

Während Operation/Eingriff

  • Personal
    • Standardmassnahmen
    • FFP 2 (TB)-Maske (vor dem OP-Saal anziehen)
  • Patient
    • keine zusätzlichen Massnahmen
  • Zusätzliches Material wird von Mitarbeitern ausserhalb des Saales bis zur Türe gebracht und dort übergeben
  • Personal
    • Standardmassnahmen
    • FFP 2 (TB)-Maske (vor dem OP-Saal anziehen)
  • Patient
    • keine zusätzlichen Massnahmen
  • Zusätzliches Material wird von Mitarbeitern ausserhalb des Saales bis zur Türe gebracht und dort übergeben

Nach Operation/Eingriff

  • Personal
    • Ausziehen der TB-Maske nach Verlassen des OP
    • Hygienische Händedesinfektion
  • Patient
    • Extubation  im OP-Saal
    • Wenn Patient Sauerstoff benötigt, Ventimaske benutzen (auch für den Transport)
    • Kein Aufenthalt im Aufwachraum
    • Chirurgische Maske bei Verlegung
  • Personal
    • Ausziehen der TB-Maske nach Verlassen des OP
    • Hygienische Händedesinfektion
  • Patient
    • Extubation ausserhalb OP und Nachbetreuung im Aufwachraum wie üblich
Reinigung
  • Reinigungspersonal OP-Saal
    • Tragen einer FFP 2 (TB)-Maske während 30 min nachdem der Patient den OP-Saal verlassen hat
  • Reguläre Zwischenreinigung
  • Reinigungspersonal OP-Saal
    • Tragen einer FFP 2 (TB)-Maske während 30 min nachdem der Patient den OP-Saal verlassen hat
  • Reguläre Zwischenreinigung
Absaugglas
  • Verwendung Sekretbehälter mit Sekretbeutel
    • Entsorgung nach Gelierung in regulären Abfall
  • Mehrwegglas (Freisetzung von Tuberkelbakterien verhindern)
    • Öffnung des Deckels für den Transport zukleben
    • Beim Entleeren tragen einer FFP 2 (TB)-Maske
  • Verwendung Sekretbehälter mit Sekretbeutel
    • Entsorgung nach Gelierung in regulären Abfall
  • Mehrwegglas (Freisetzung von Tuberkelbakterien verhindern)
    • Öffnung des Deckels für den Transport zukleben
    • Beim Entleeren tragen einer FFP 2 (TB)-Maske
Beatmungsgeräte
  • Beatmungsgeräte in der Regel mit geschlossenem  Luft-Kreislauf versehen. Der bei jedem Patienten eingesetzte Filter (z.B. Pall BB25) ist auch für Mykobakterien  wirksam
  • Wechsel der Beatmungsschläuche nach Operation
    • Einweg: Entsorgung
    • Mehrweg: Thermische Desinfektion in der RDM direkt nach der Operation
  • Reguläre Aufbereitung

 

  • Personal trägt mindestens eine FFP-2-(TB)-Maske
    • KSSG, SRRWS:  Schutzmaske FFP 3 mit Ausatmungsventil
  • Nachdem der Patient den Untersuchungsraum verlassen hat, muss das im Raum verbleibende Personal weitere 30 min eine TB-Maske tragen und die Raumlüftung eingeschaltet oder das Fenster geöffnet sein
  • Weiter gelten die üblichen hygienischen Massnahmen bei Tuberkulose

Tägliche Zimmerreinigung/-desinfektion

  • Es gelten die üblichen Arbeitsabläufe

Verbrauchsmaterial, Geräte, Gegenstände, Instrumente

  • Es gelten die üblichen Arbeitsabläufe

Abfall, Wäsche, Geschirr

  • Es gelten die üblichen Arbeitsabläufe

Die Aufhebung der Isolation erfolgt durch den pneumologischen oder infektiologischen Facharzt

  • Das Pflegefachpersonal informiert die Spitalhygiene über die Aufhebung

Entisolationskriterien

Aufhebung Verdachtsisolation

  • Sputumprobe: Drei Proben mit negativer Mikroskopie auf säurefeste Stäbschen oder einmalig negativer GeneXpert®-PCR-Test (Schnelltest)

Aufhebung Isolation bei bestätigter offener Lungentuberkulose

  • Adäquate Behandlung mit klinischer Besserung während mindestens 14 d
  • Kein Husten mehr
  • Keine anamnestischen, klinischen, epidemiologischen oder bakteriologischen Hinweise auf resistente Tuberkulosestämme
  • Gewährleistete Weiterbehandlung (kontrollierte Medikamenteneinnahme oder keine Zweifel an der Compliance und gesicherte medizinische Nachbetreuung)
  • Rückkehr in ein Milieu ohne Risikopersonen (keine immunsupprimierten Personen, Kleinkinder oder Säuglinge)

Schlussreinigung/Desinfektion

  • Keine Schlussdesinfektion
  • Nach Verlegung/Entlassung/Tod des Patienten trägt das Personal in diesem Zimmer während einer Stunde (bei zusätzlichem Öffnen des Fensters oder bei aktiver Unterdruckbelüftung bis 30 min) eine TB-Maske
  • Information Reinigung: KSSG, SRRWS, SRFT, Spital Linth, SVAR, STGAG, KispiSG, KZGA
  • Ansonsten gelten die üblichen Arbeitsabläufe

Personal

Umgebungsuntersuchung

  • Bei Exposition ohne erfolgte Schutzmassnahmen erfolgt eine Umgebungsuntersuchung
  • Initiierung durch die Spitalhygiene

Vorgehen

  1. Meldung an Spitalhygiene
  2. Erstellen der Meldeliste pro betroffene Abteilungen/Bereiche (ZNA, Röntgen, EKG, Rettungsdienst, etc.): KSSG, SRRWS, SRFT, Spital Linth, STGAG, SVAR, KZGA
    • Initiierung durch Spitalhygiene
    • Verantwortlich für Erstellen und Vollständigkeit:  Bereichs- oder Stationsleitung
  3.  Zustellung der vollständigen Liste an den PAD, der die betroffenen Mitarbeiter über das weitere Vorgehen informiert bzw. zum Untersuchungstermin aufbietet

Mitpatienten

  • Exponierte Mitpatienten werden durch die Lungenliga abgeklärt
  • Meldung via Meldeformular an Lungenliga durch die Stationsärzte in folgenden Spitälern:

Angehörige

  • Exponierte Angehörige werden durch die Lungenliga abgeklärt

 

Erkrankung

Arbeitsbeschränkung

Dauer/Bemerkungen

Aktive offene (ansteckende) Erkrankung

Arbeitsausschluss

Mindestens 14 Tage unter Therapie und nach Rücksprache mit Infektiologie

Quantiferon-Konversion

Keine Einschränkung

Gemäss Beratung Infektiologie/personalärztlicher Dienst