Urethritis

  • GU (Gonokokken-Urethritis)
  • NGU (nicht gonorrhoeische Urethritis):
    • Chlamydia trachomatis
    • Trichomonas vaginalis
    • Mycoplasma genitalium / hominis
    • Ureaplasma urealyticum, Ureaplasma parvum
    • Genitale HSV-Infektion
    • E. coli, Enterokokken, Staphylokokken (Männer: nach insertivem Analverkehr)
    • Hämophilus parainfluenzae (Männer: nach insertivem Oralverkehr; Autoinokulation bei Masturbation)
    • Adenoviren
    • Candida albicans
  • Irritationen durch Fremdkörper
  • Dysurie
  • Pruritus urethral
  • Pollakisurie, Harndrang
  • Purulenter Ausfluss (v.a. bei Gonokokken)

Diagnostisches Vorgehen

  • Frauen: Selbstdurchgeführter Vaginalabstrich
  • Männer: Abstrich ist sensitiver als Erststrahlurin, Meatusabstrich ist ausreichend
  • PCR auf Chlamydien (CT) und Gonokokken (NG); oder STD-7 Test (zusätzlich PCR auf Trichomonas vaginalis, Ureaplasma urealyticum, Ureaplasma parvum, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium)
  • Mittelstrahlurin für Lc-urie, bei Lc-urie: Urinkultur
  • Bei Rezidiv ► PCR und Kultur zur Resistenzprüfung

Probenentnahme / Versand

  • Falls Kultur geplant: e-Swab verwenden; Versand: Raumtemperatur; sofortiger Transport ins Labor

Kosten:

  • PCR: NG / CT zu CHF 95.- (+25.- pro Auftrag); für Männer und Frauen mit multiplen Sexualpartnern ggf. Einschleusung in STAR-Trial, dort ist der STD-7 Test kostenlos (2016 und 2017). Der STD-7 Test kostet am ZLM CHF 350.
  • Kultur: CHF 50.- (neg: CHF 42.-)
  • Urin-Status CHF 20.-
  • Urinkultur CHF 34.- (neg.) / CHF 110.-(pos)

Meldepflichtige Erkankung

Grundsatz

  • Wenn möglich, diagnostische Abklärung vor Therapiebeginn
  • Bei syndromischer Therapie Gonorrhoe und Chlamydien gleichzeitig behandeln

bei schwerer Penicillin-Allergie (vermeiden!)

siehe auch unter entsprechenden Erkrankungen

  • Gonokokken
  • Chlamydien
  • T.vaginalis
    • Metronidazol 500 mg BID x 7 d. 
      Alternativ:
      • Metronidazol 2 g p.o. einmalig (insbes. für Frauen nicht empfohlen)
      • Tinidazol 2 g p.o. einmalig; (Resistenzen ↓, Preis↑)

Grundsätze

  • Zeitgleiche Behandlung der regelmässigen Sexualpartner ist Voraussetzung für langfristigen Therapieerfolg.
  • Den meisten Menschen fällt die Partnerinformation schwer, wegen 1. Scham und 2. der Angst, den Partner oder die Partnerin zu verlieren.
  • Je enger das sexuelle Netzwerk, desto stärker rückt das Eigeninteresse bei der Partnerinformation in den Vordergrund. Diese Motivation ist nicht zu unterschätzen.
  • Grundlage jeder Partnerinformation ist eine umfassende Sexualanamnese.

Methoden der Partnerinformation

  1. Patient kennt die Partner, möchte sie informieren
    • Patient informiert Partner und schickt diese zum selben Arzt
      ► beste, bevorzugte Methode, falls möglich.
    • Patient informiert Partner, Verlauf Nachkontrolle unbekannt
      ► unbefriedigend. Besser: Notiz mitgeben, nachbehandelnder Arzt soll sich zur Rücksprache bei der Instanz der Erstdiagnose melden
  2. Patient kennt die Partner, möchte aber nicht informieren
    • Patient gibt Kontaktinformation an den Arzt weiter; dieser informiert die möglichen Indexpersonen ohne seine Informationsquelle anzugeben.
  3. Patient kennt die Partner nicht, aber den Ort der Infektion
    • Kommerzieller Sexort - Bordell, Sauna, Sexkino, Darkroom:
      ► Evtl. Betreiber informieren, damit dieser z.B. einen Aushang macht für eine Testempfehlung.
    • Private Sexparty, Swingerclub, etc.:
      ► Evtl.Telefonnummer des Organisators erfragen, damit dieser ggf. die weitere Partnerinformation übernimmt.
    • Bei allen anderen Orten erfolgen in der Regel keine weiteren Massnahmen.
    • In Einzelfällen Besprechung je nach Situation mit Kantonsarzt, etwa bei lokalen Ausbrüchen (z.B. sexuell übertragene Hepatitis A, Shigellen)

Tips zur Partnerinformation

  • Konkrete Sprache benutzen. Statt vage von Sex konkret von Sexualpraktiken sprechen: z.B. "Oralverkehr" ("Blasen", "Lecken"), "Analverkehr" ("eindringend/aufnehmend", "Sind Sie beim Analverkehr der eindringende oder aufnehmende Partner oder beides?" statt "aktiv/passiv")... 
  • Oralverkehr immer separat und gezielt ansprechen. Wird von vielen nicht als "Sex" begriffen.
  • Deutlich machen, dass es bei STI auch um "geschützte" Kontakte geht. Patienten geben häufig nur die Partner an, mit denen sie "ungeschützte" Kontakte hatten. 
  • Präventionsbotschaften verdeutlichen ("Kondome schützen nur vor Schwangerschaft und HIV")
  • Unterstreichen, dass STI häufig asymptomatisch sind, vor allem "im Hals", "anal" und "vaginal".
  • Unterstreichen, dass Partner nicht warten sollen, bis sie Symptome haben oder sie ebenfalls positiv gestestet wurden.
  • Offene Fragen stellen: "Wen werden Sie informieren?" - "Übernehmen Sie die Benachrichtigung selbst oder soll ich das für Sie tun?"
  • Medikamente für die Partnerbehandlung können auch mitgegeben werden.

Therapie

  • Partnertherapie bei bakteriellen / parasitären STI ist in aller Regel eine empirische Therapie ► keine Testung der Sexualpartner, bzw. vor Tx nicht erst Testergebnisse abwarten
  • Möglichst zeitgleiche Therapie mit demselben Antibiotikum. Fortgesetzte Sexualkontakte zwischen den gleich(zeitig) behandelten Partnern sind möglich.
  • Ausnahmen von dieser Regel sind z.B. Syphilis, wenn der letzte Sexualkontakt mehr als 90 Tage zurückliegt.
  • Keine Partnerbehandlung bei viralen STI wie HIV, Virushepatitis, Genitalherpes, Condylomata ...

Zeitfenster - wie welche Sexualpartner sollen informiert werden?

  • Grundregel: Das Zeitfenster ist für bakterielle Infektionen kürzer als für virale; für symptomatische kürzer als für asymptomatische; bei der Syphilis stadienabhängig (Primäre < Sekundäre Lues < Lues latens usw.)
  • Ulcus molle: bis 10 Tage vor Symptombeginn
  • Symptomatische Gonorrhoeo: 10 bis 30 Tage vor Symptombeginn
  • Filzläuse und Skabies: bis 30 Tage vor Symptombeginn
  • Asymptomatische Gonorrhoe, CT, MG, UU, etc., Donovaniosis: bis 60 Tage
  • Primäre Syphilis: bis 90 Tage
  • Sekundäre Syphilis: bis 6 Monate

Beachte auch allgemeine Aspekte zu Sexuell übertragbaren Krankheiten

  • HIV / Lues-Testung bei Expositionsrisiko
  • Partnerinformation
  • Evtl. Hepatitis B Testung und Imfpung