Dialyse: Verhinderung blutassoziierter Virusinfektionen (HBV, HCV, HIV)

Grundlagen

Das Übertragungsrisiko für Hepatitis B (HBV), Hepatitis C (HCV) und HIV hängt von der Viruskonzentration bei der Inokulation ab und betrifft sowohl Patienten als auch Personal.

  • Es gibt es keine wissenschaftlichen Belege für die Forderung einer strikten räumlichen, apparativen und allenfalls personellen Trennung bei der Dialyse dieser Patienten
  • Alle in der Literatur beschriebenen Ausbrüche mit Hepatitis B, C und HIV auf Dialysestationen sind auf fehlende hygienische Massnahmen, Gebrauch von Mehrwegmaterialien mit ungenügender Aufbereitung (heute durch Einwegprodukte ersetzt) oder Bluttransfusionen zurückzuführen
  • Hinweise für Übertragungen via Dialysegerät fanden sich nie

Übersicht Massnahmen

Standardmassnahmen – das Wichtigste

Unter Standardmassnahmen werden die im Folgenden beschrieben Massnahmen im Umgang mit allen Patienten verstanden. Die Händedesinfektion, der Umgang mit Handschuhen, chirurgischer Maske, Schutzbrille und Überschürze wird im Rahmen der Standardmassnahmen und bei Kontaktisolationen gleich durchgeführt.

  • Händehygiene mit korrekter Durchführung der Händedesinfektion nach den 5 Indikationen der WHO
  • Bei (potentiellem) Kontakt mit Körpersekret/-flüssigkeit
    • Hände: Handschuhe und anschliessende Händedesinfektion
    • Gesicht: Chirurgische Maske (Augen: Schutzbrille)
    • Arme/Körper: Überschürze

Hepatitis B-Impfung

Grundimmunisierung mit Titerkontrolle für Personal und Patienten:

  • Personal: via Personalärztlicher Dienst
  • Patienten: Internes Dokument Dialyse, „Hepatitis B-Impfung bei niereninsuffizienten Patienten“ KSSG

Serologische Kontrollen

  • Jährliche Kontrollen der HIV, HBV- und HCV-Serologie
Was

Wann

Womit/Wie

Dialysegerät

Gehäuse

  • Bei Kontamination
  • Nach jeder Dialyse

Flächendesinfektionsmittel / Wischdesinfektion

 

Wasser und dialysatführende Teile

  • Nach jeder Dialyse

Reguläre Desinfektion* gemäss Vorschrift Gerätehersteller
(siehe Dialyse internes Dokument „Aufbereitung Dialysegeräte" KSSG)

Dialyseschläuche

  • Bei Kontamination
  • Nach jeder Dialyse

Reguläre Desinfektion* gemäss Vorschrift Gerätehersteller
(siehe Dialyse internes Dokument „Aufbereitung Dialysegeräte" KSSG)

Patientenumgebung

Beistelltisch, etc.

  • Bei Kontamination
  • Nach jeder Dialyse

Flächendesinfektionsmittel / Wischdesinfektion

* Desinfektion:

  • Nikiso®- oder Fresenius®: Spülung mit Osmosewasser 85° und Desinfektionsmittel (z.B Diasteril®) während 10 Minuten
  • Genius®: Druckluftvernebelung (z.B: Puristeril®) und UV Strahlung während 15 Min.

HIV- und/oder aktive Hepatitis C-Infektion

Zusätzliche Massnahmen

  • Nur Fresenius®- oder Nikiso®-Dialysegeräte verwenden - Reguläre Desinfektion
  • Einsatz von speziell zugeordneten HIV-oder Hepatitis-C-Geräten nicht notwendig

Aktive Hepatitis B

  • Definition aktive Hepatitis B: HBs-Ag positiv

Zusätzliche Massnahmen

  • Separate „Hepatitis-B“-Dialysegeräte: Nikiso®- oder Fresenius®-Dialysegerät - Reguläre Desinfektion
    • Gerät mit B+ kennzeichnen
  • Dialyseabbruch (Nierentransplantation/Tod): Rückführung des Gerätes zur regulären Verwendung
    • Standardaufbereitung
    • Dialysekopplung zusätzlich mit Ethanol 70% spülen

Besonderes

  • Patienten mit zusätzlich aktiver Hepatitis-C- oder HIV-Infektion werden wie Hepatitis-B-Patienten behandelt
  • Unbekannte Serologie
    • Nullserologie bei Beginn der Dialyse und Kontrollserologien nach drei Monaten (HBs-Ag, HBs-Ak, HCV- und HIV-Suchteste)
  • Nach externer Dialyse (nicht aus Dialysezentren Altstätten, Walenstadt, Wil, Herisau, Lachen, Chur, Davos, Glarus), z.B. nach Ferienaufenthalt
    • Nullserologie bei Beginn der Dialyse und Kontrollserologien nach drei Monaten (HBs-Ag, anti-HBs-Ak, HCV- und HIV-Suchteste)