Postexpositionelle Massnahmen in der medizinischen Bakteriologie und Mykologie

Diese Guideline bezieht sich ausschliesslich auf angereichertes Probenmaterial bzw. Kulturen.

Diese GL regelt das Vorgehen bei Exposition gegenüber:

  • Brucella spp.
  • Burkholderia pseudomallei
  • Francisella tularensis
  • systemische Isolate von Neisseria meningititis

Bei Exposition mit anderen Mikroorganismen der Biosicherheitsstufe 3 (z.B. Dimorphe Pilze) werden die einzelnen Fälle beurteilt und entsprechende Massnahmen ergriffen.

  1. nach jeglichem möglichen Kontakt mit den Erregern immer Hände, Gesicht, kontaminierte Kleidung mit Seife oder flüssigem Desinfektionsmittel reinigen
  2. Tragen von (Einweg)-Schutzhandschuhen, Schutzbrillen, Mundschutz und adäquate Schutzkleidung verhindert kontakt- und aerobedingte Infektionen
  3. weiteres Vorgehen in Absprache mit dem personalärztlichen Dienst
  4. SUVA Meldung zuhanden verantwortlicher Person erstellen

Risikobeurteilung entsprechend der CDC Expositionskriterien für Brucella ssp, bzw.  B. pseudomallei, F. tularensis und N. meningititis durchführen.

Hohes Risiko:

  • direkter Kontakt zur offenen Kulturplatte ausserhalb Laminar Flow-Werkbank
  • Arbeit in bis 1.5 m Nähe zur offenen Kulturplatte
  • Aufenthalt im Raum wenn Aerosole entstehen (zb. Katalase-Prüfung)

Niedriges Risiko:

  • Aufenthalt im Raum wo auf offener Arbeitsfläche gearbeitet wurde die aber nicht die Kriterien des hohen Risiko erfüllen

Für Neisseria meningitidis gelten die obgenannten Kriterien bei Isolation aus primär sterilen Materialien (invasives Isolat).

Bei Isolat aus nicht primär sterilem Material gilt: niedriges Risiko, ausser bei Aerosolbildung

Literatur:

Postexpositionsprophylaxe (PEP)

  • In Zusammenarbeit mit dem Personalärztlichen Dienst (PAD) wird die Relevanz einer möglichen Exposition nach den Krtierien eingeschätzt. Der PAD legt die Postexpositionsprophylaxe fest und überwacht die exponierten Mitarbeiterinnen entsprechend der bestehenden vertraglichen Vereinbarung. Eine Ablehnung der Massnahmen durch Exponierte wird dokumentiert.

Serologische Überwachung

  • Alle exponierten Mitarbeiter werden unabhängig vom Risiko (hoch/niedrig) serologisch überwacht:
    • Test: Brucella IgM, IgG, IgA EIA Test sofort
    • Wiederholung 6, 12, 18 und 24 Wochen nach Exposition
  • Ausnahme: Exposition mit Brucella abortus Stamm RB51. Er induziert keine messbare Antikörperantwort, weshalb serologisch nicht überwacht wird.

Beobachtung auf Entwicklung von Symptomen 

  • Alle exponierten Mitarbeiter beobachten sich - unabhängig vom Risiko (hoch/niedrig) - auf Symptomentwicklung
  • Bei Auftreten neuer Beschwerden oder Infektionssymptome sofort mit dem PAD Kontakt aufnehmen

Literatur:

  • E.-J. Finke, K. Fleischer, R. Fock und Th. Grünewald; Empfehlungen für die Prophylaxe nach Exposition gegenüber biologischen Agenzien (PEP) Kap. 5.8, Biologische Gefahren 2. Auflage (2005)  Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe / Robert Koch-Institut.
  • Traxler (2013) A Literature Review of Laboratory-Acquired Brucellosis - J Clin Microbiol

Einschätzung relevanter Exposition

  • Als relevante Exposition ausserhalb der Laborsituation gelten lediglich nur enge Kontakte
  • Die Beurteilung einer Exposition im mikrobiologischen Labor und die daraus abzuleitenden Interventionen liegen beim Personalärztlichen Dienst (PAD)

Massnahmen

  • Der PAD beurteilt das Ausmass und den Zeitpunkt der Exposition und leitet die nach seiner Beurteilung notwendigen Massnahmen ein
  • Die Ablehnung der prophylaktischen Therapie durch Exponierte wird dokumentiert

Überwachung

  • Exponierte beobachten sich auf Symptomentwicklung gemäss PAD-Beratung
  • Unverzügliches Aufsuchen der medizinischen Notaufnahme bei Auftreten von Erkankungssymptomen

Einschätzung relevanter Exposition

  • Das Erkrankungsrisiko muss individuell nach Rücksprache mit dem Personalärztlichen Dienst (PAD) beurteilt werden

Postexpositionsprophylaxe

  • Der PAD beurteilt das Ausmass und den Zeitpunkt der Exposition und leitet die nach seiner Beurteilung notwendigen Massnahmen ein

Überwachung

  • Beobachtung der Exponierten auf Symptomentwicklung gemäss PAD-Beratung
  • Abnahme Nativblut für Serum-Archivierung zur Beurteilung einer allfälligen Verlaufs-Serologie

Einschätzung relevanter Exposition

  • Erhöhtes Expositionsrisiko, wenn an einer Kulturplatte gerochen wurde
    oder
  • in der Nähe eine aerosol-generierende Untersuchung an der Probe durchgeführt wurd

Postexpositionsprophylaxe / Massnahmen

  • Die exponierte Person beobachtet sich auf Symptomentwicklung gemäss PAD-Beratung (Inkubationszeit beträgt 3-7 Tage; Range 1-14 Tage)
  • Die Ablehnung der Serum-Archivierung u/o der prophylaktischen Therapie durch Exponierte wird dokumentiert

CDC recommendations Brucellosis (Nov. 2012) http://www.cdc.gov/brucellosis/index.html

MMWR (2012)  Guidelines for Safe Work Practices in Human and Animal Medical Diagnostic Laboratories

E.-J. Finke, K. Fleischer, R. Fock und Th. Grünewald; Empfehlungen für die Prophylaxe nach Exposition gegenüber biologischen Agenzien (PEP) Kap. 5.8, Biologische Gefahren 2. Auflage (2005)  Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe / Robert Koch-Institut.

Traxler (2013) A Literature Review of Laboratory-Acquired Brucellosis - J Clin Microbiol

Diese Guideline wurde vom Zentrum für Labormedizin, St. Gallen (ZLM) für Labormitarbeiter verfasst. Sie bezieht sich auf angereichertes Probematerial. Die vom ZLM verabschiedete Version ist datiert auf (2015-11-30)