Encephalitis / Enzephalitis

  • Die häufigsten/wichtigsten DD's in unserem klinischen Alltag sind HSV, FSME und HIV
  • häufigste infektiöse Ursache der Encephalitis ist viral (70-80%)
  • Eine spezifische Therapie ist verfügbar für die HIV-Encephalitis (Notfall, Primoininfektion) und die HSV-Encephalitis
  • Klinisch lässt sich eine Encephalitis sehr oft nicht eindeutig von einer Meningitis unterscheiden. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist aber, dass bei der Encephalitis das Bewusstsein im Gegensatz zur MEningitis QUALITATIV gestört ist!

 

  • Vorwiegend virale Genese:

    • Entero, HSV1, FSME - aber auch HIV, CMV, VZV, Adeno, Masern, Röteln, West Nil, Tollwut, Hepatitiden etc.
  • Nicht virale Genese:

    • Listerien, Bartonellen, Borrelien, Malaria, Lues, Toxoplasmose, Rickettsien, Mykobakterien, Tropheryma whippeli, Taenia, postinfektiös, postvaccination etc.
  • Nicht infektiöse ZNS-Erkrankungen in der DD:

    • Vaskulitis, Neoplasie, Sarkoidose
  • Häufig bleibt die Ätiologie ungeklärt (32%-75% d.F.)

  • Wichtig ist eine gute Anamnese

    • Reisen (Malaria, Rickettsien, Tollwut, Trypanosomen, West Nil)
    • Hobbies (FSME, Borrelien)
    • Beruf (Tollwut, Rickettsien, Bartonellen)
    • Tiere (Bartonella, Toxoplasmose, Tollwut) 
    • Insektenstiche (Malaria, Rickettsien, FMSE, Borrelia, Trypanosomen)
    • Ernährung (Listerien, Toxoplasmose, Taenia, Rickettsien)
    • Impfstatus (Masern, Röteln, Mumps)
    • Immunstatus (HIV, VZV, Listerien, Toxoplasmose, Mykobakterien)
    • Vgl IDSA-Guideline Tab 2 + 3
  • Bewusstseinsveränderung (Lethargie, Persönlichkeitsveränderung) >24h ohne andere Erklärung (Meningitis im Gegensatz dazu, nur quantitativ ohne Bewusstseinsveränderung)
  • Fieber, Krampfanfälle, Verwirrtheit, neue fokal neurologische Ausfälle, Kopfschmerzen, Nausea
  • Photophobie und Nackensteifigkeit nicht typisch
  • Liquor mit >5 Lc/mm3
  • MRI mit neuen oder akut erscheinenden Parenchymveränderungen
  • EEG mit Veränderungen vereinbar mit Encephalitis ohne andere Erklärung
  • Blutentnahme: Differentialblutbild, Nieren-/Leberwerte, Glucose, Gerinnung
  • 2 x 2 Blutkulturen
  • HIV-Screening test der 4. Generation (Primoinfektion!)
  • Ggf FSME-Serologie (IgM + IgG)
  • Lumbalpunktion: Zellzahl, Protein, Glucose (parallel Glucose im Blut), Lactat, Bakteriologie (Gram, Kultur), PCR für HSV, Material asservieren
  • Bildgebung: MRI
  • EEG
  • Diagnostik bei spez. Verdacht: Vgl IDSA-Guidelines, Tab. 4 + 5
  • Nicht infektiöse Genese: z.b. ADEM (akut disseminierte Encephalomyelitis, meist einige Wochen nach viralem Infekt) oder anti-NMDAR-Encephalitis (häufig bei jungen Patienten unter 30 Jahren), medikamentös-toxisch, Vaskulitis, Sarkoidose etc

Antibiotika-Therapie gemäss Guideline Meningitis

+ Acyclovir 10-12 mg/kgKG tid iv für 14-21 d

  • Falls HSV-PCR im Liquor pos:
    • Antibiotika stoppen
  • Falls HSV-PCR im Liquor neg (und keine anderen Hinweise auf HSV Enzephlaitis: wie z.b. Tmporallappen Befall im EEG oder MRI):
    • Acyclovir stoppen
    • falls aber Unklarheiten mit spezifischen BEfunden temporal im MRi oder EEG, dann weiter mit Acyclovir
  • Bei akuter HIV-Infektion: Sofortiger Therapiestart HIV

Impfungen

  • MMR (gemäss Impfplan 2016 BAG):
    • 2 Dosen (1. Dosis mit 12 Mte, 2. Dosis  im Alter von 15-24 Mte, Mindestabstand 1 Monat)
    • Nachimpfung für alle Erwachsenen die nach 1963 geboren sind. Jeweils 2 Dosen im Abstand von 1 Monat
  • FSME (gemäss Empfehlung für FSME BAG)
    • 3 Dosen (Impfung empfohlen für Exponierte ab Alter von 6 Jahren)
    • Schema: 0, 1-3 Mte, 9-12 Mte)
    • Auffrischung alle 10 Jahre
  • Tollwut (gemäss Empfehlung für Tollwut BAG)

Expositionsprophylaxe

  • Malariaprophylaxe
  • Mückenschutz/Mückenspray/Moskitonetz