Varizellen in der Schwangerschaft

  • Varizellen sind hochkontagiös (Übertragung aerogen oder durch Direktkontakt mit Bläscheninhalt)
  • Bei nicht immunen Schwangeren kann eine transplazentare Übertragung auf den Fetus stattfinden
  • Es besteht ein relevantes Risiko für Komplikationen einer Varizelleninfektion in der Schwangerschaft
  • Herpes Zoster der Mutter scheint zu keinem Zeitpunkt der Schwangerschaft ein Risiko für eine Transmission auf den Fetus darzustellen
  • KEIN Risiko für immune Schwangere (durchgemachte Infektion oder 2x geimpft)
  • Inkubationszeit 10 - 21d (-28d nach Behandlung mit Immunglobulinen)
  • Infektiosität ab 2d vor Auftreten des Exanthems bis zur Verkrustung sämtlicher Bläschen
  • Anamnese VOR jeder geplanten Schwangerschaft (Erkrankung, Impfstatus)
  • Serologie bei fehlender Anamnese (vor Schwangerschaft, bei Diagnose der Schwangerschaft, nach Exposition)
  • Bei Erkrankung der Schwangeren in der Schwangerschaft: 
    • Amniozentese: VZV-Nachweis in Amnionflüssigkeit mittels PCR
    • Sonographie (>5 Wochen nach Auftreten des Exanthems, anschliessend monatliche Kontrollen) 
    • Schwangerschaftsabbruch NICHT gerechtfertigt ohne vorherige pränatale Diagnostik!!

Varizellenpneumonie

  • Risiko besteht während ganzer Schwangerschaft, grösstes Risiko nach der 18.-20. SSW
  • tritt 1-6 Tage nach Exanthem auf
  • Inzidenz 16%
  • Letalität 20-40% (unbehandelt), aktuell 3-14%

Varizellenencephalitis (selten)

  • tritt bis 7 Tage nach Exanthem auf
  • Letalität 5-10%

 

 

 

Erhöhtes Risiko für Fehlgeburt/intraunteriner Fruchttod

Kongenitales Varizellensyndrom (bei Infektion in 1.-20. SSW)

  • Vernarbende Hautläsionen
  • Skelettmissbildungen
  • Untergewicht bei Geburt
  • Augenbeteiligung/Neurologische Störungen/verzögerte psychomotorische Entwicklung
  • Muskelhypoplasie
  • Kardiovask. Störungen
  • Mortalität 30%

Neonatale Varizellen (bei Infektion nach der 20. SSW + postpartal)

  • Auftreten eines Exanthems innerhalb der ersten 5-15 Tage post partum
  • Bei Infektion >5-7d präpartal (Erwerb von mütterlichen AK) oder postpartaler Infektion meist milder Verlauf
  • Bei Geburt 2d vor bis 5d nach Auftreten des mütterlichen Exanthems besteht eine neonatale Mortalität bis 30%
  • Risiko bei postpartaler Übertragung ohne Antikörper ist unbekannt, vereinzelt Todesfälle berichtet

Varizellen-Impfung (Varilix, Varivax)

  • 2 Dosen im Abstand von 4 Wochen; KI: Alter <12 Monate, Schwangerschaft
  • VOR geplanter Schwangerschaft!!; kontraindiziert während Schwangerschaft da Lebendimpfstoff
  • ABER versehentliche Impfung während Schwangerschaft ist keine Indikation für Schwangerschaftsabbruch

Mütter

  • Nach Exposition in Schwangerschaft 
    • bei seronegativen Schwangeren
      • spezifische Immunglobuline (VZIG) oder polyvalente Immunglobuline innert 72-96h nach Exposition (Effekt bis 10d post Exposition nachweisbar); VZIG 0,2 ml/kg bzw. IVIG 0,4 g/kg K.G. i.v. 
      • Aciclovir verhindert in dieser Situation transversale Transmission NICHT
      • WICHTIG: Bei Auftreten eines Exanthems vor Geburt soll wenn möglich die Geburt bis 5-(7)d nach Ausbruch des Exanthems (ermöglicht AK-Transfer auf Fetus) verzögert werden

                         

Neugeborene

  • Indikationen für VZIG (spezifische Varizellen Immunglobuline) 12,5–25 I.U. pro kg K.G. i.v., einmalige Gabe bis 96h nach Exposition (verhindert Varizelleninfektion nicht, reduziert aber wohl schwere Verläufe; essentiell ist rechtzeitiger Start mit Acyclovir)
    • Mutter mit Exanthem aufgetreten 5d vor bis 2d postpartal
    • Frühgeborene oder kranke Neugeborene, deren Mutter nicht immun ist, bei nosokomialer VZV-Exposition (Exposition = direkter Kontakt oder >1h in gleichem Raum mit infektiöser Person)
    • Frühgeborene <28. SSW oder <1000g Geburtsgewicht mit nosokomialer Exposition unabhängig vom Serostatus der Mutter
    • Umstritten: Gesunde Termingeborene nicht-immuner Mütter mit postnataler Exposition
    • Keine Indikation: Kurzdauernde Exposition in Geburtsklinik
  • Trennung eines asymptomatischen Neugeborenen von erkrankter Mutter bei der Geburt nicht empfohlen, da Wahrscheinlichkeit einer bereits erfolgten Ansteckung sehr hoch; Stillen in dieser Situation ebenfalls erlaubt

 

Schwangere mit Varizellenpneumonie (oder anderer Komplikationen)

  • Aciclovir: 3 x 10 mg/kg KG/d i.v. – 7 Tage

Neugeborene mit systemischen Symptomen oder ausgedehntem Exanthem

  • Aciclovir: 3 x 20 mg/kg KG/d i.v.

 

  • Sicherung der VZV-Immunität des Spitalpersonals
  • Besuchsverbot für Personen mit manifester Varizellen-Infektion
  • Besuchsverbot für Nicht-immune Personen nach Varizellenkontakt in der Inkubationszeit (10-21d)