Untersuchung von Nachtarbeitenden

Anspruch

Arbeitnehmende mit 25 und mehr Nachteinsätzen pro Jahr haben gemäss Arbeitsgesetz (Artikel 43 ArGV1) Anspruch auf medizinische Untersuchung und Beratung

  • bis 45 Jahre: alle 2 Jahre
  • ab 45 Jahre: jährlich

Es handelt sich dabei um eine Basiskontrolle des Gesundheitszustands. Der Umfang richtet sich nach der Tätigkeit.

Obligatorium

Bei besonderen Belastungen und Gefahren ist die medizinische Untersuchung und Beratung obligatorisch:

  • Dauernachtarbeit: Nachtarbeit ohne Wechsel mit Tagesarbeit (Dauernachtwachen) oder das Verhältnis der Nachtschichten zu Tagschichten ist grösser als 1:1
  • verlängerte Dauer der Nachtarbeit (Schichtdauer ≥ 9 Stunden)
  • Arbeitsplätze, wo alleine gearbeitet wird

Die Untersuchung muss in diesen Fällen vor Arbeitsantritt erfolgen und dann alle 2 Jahre wiederholt werden.

Kostenübernahme

Der Arbeitgeber trägt die Kosten der medizinischen Untersuchung und Beratung durch einen von ihm bestimmten Arzt, sofern nicht ein Versicherer des Arbeitnehmers dafür aufkommt.

Schwangerschaft

  • erste 7 Monate: Arbeitnehmerin kann verlangen, nicht zwischen 20 und 6 Uhr eingesetzt zu werden und eine gleichwertige Tagesarbeit zu erhalten.
  • ab 8 Wochen vor Geburtstermin: Arbeit zwischen 20 und 6 Uhr nicht gestattet.

Umsetzung am KSSG

Gemäss Beschluss des Sicherheitsausschusses vom Oktober 2017 werden am KSSG die Untersuchungen im Rahmen des Anspruchs auf Anfrage angeboten.

Die Untersuchung soll vorbestehende Gesundheitsstörungen erkennen, welche für eine Nachtdiensttauglichkeit relevant sind, sowie solche, welche infolge von Nacht- und Schichtarbeit entstehen können.

Die Erstuntersuchung umfasst:

  • ausführliche Anamnese, welche mittels Fragebogen im Vorfeld erhoben wird
  • ggf. problemorientierte körperliche Untersuchung (falls indiziert)
  • Blutdruckmessung
  • Urinuntersuchung auf Glucose und Eiweiss

Ablauf

  1. Anmeldung: Durch den Mitarbeitenden selbst oder durch HR oder vorgesetzte Stelle nach Bedarf
  2. Terminplanung: Pflegefachfrau PAD vereinbart einen Termin beim zuständigen Personalarzt und gibt den Fragebogen ab. Bei sprachlichen Schwierigkeiten unterstützt die Pflegefachfrau PAD den Mitarbeitenden beim Ausfüllen des Fragebogens.
  3. Fragebogen muss mindestens 3 Tage vor dem Termin an den PAD retourniert werden. Er wird primär von der Pflegefachfrau PAD evaluiert und bei Angabe von Gesundheitsstörungen an den zuständigen Arzt weiter geleitet.
  4. Untersuchung: BD-Messung und Urinstatus (→ ZLM auf Eiweiss und Glucose) durch Pflegefachfrau PAD sowie kurzes Gespräch mit Personalarzt
    • falls im Fragebogen keine Gesundheitsprobleme angegeben und guter Allgemeinzustand → Eignung, evt. Abgabe der SECO-Broschüren:
    • falls Gesundheitsprobleme vorhanden und/oder reduzierter Allgemeinzustand → Zuweisung an den PAD KSSG zur Weiterabklärung und Beratung

Ergänzende Untersuchungen

Bei unklaren Beschwerden sollen möglichst bereits vorhandene Dokumente vom Hausarzt beigezogen werden. Kostspielige Abklärungen werden nicht vom Arbeitgeber übernommen.

Folgeuntersuchungen

  • erneute Überprüfung des Gesundheitszustands mittels Fragebogen
  • allfällige pathologische Befunde aus der Antrittsuntersuchung sind zu überprüfen (anhand eingescanntem Fragebogen in PAData)

Jede Untersuchung beinhaltet eine anschliessende Beratung.

Bei unauffälliger Anamnese und Untersuchung genügen zur Beratung die Broschüren der Seco zu den folgenden Themen:

Bei Vorliegen von gesundheitlichen Problemen werden die Mitarbeitenden zur individuellen Beratung an den PAD KSSG verwiesen.

Die Beratung berücksichtigt folgende Punkte:

  • Erhöhte Gesundheitsrisiken durch Nachtarbeit
    • Schlafstörungen
    • Magen-Darm-Störungen
    • Psychische Störungen
  • Bedeutung von Erhol- und Ruhezeit
  • Ausserberufliche Verpflichtungen

 

  • Eignung: dem Nachteinsatz steht nichts im Wege.
  • Vorübergehende Nichteignung: bei vorübergehenden Erkrankungen.
  • Bedingte Eignung:  Weiterbeschäftigung am bisherigen Arbeitsplatz ist nur möglich, wenn Verbesserungen vorgenommen werden. Allenfalls ist dafür eine Entbindung von der Schweigepflicht gegenüber dem Arbeitgeber nötig.
  • Nichteignung: definitive Aufgabe der Nachtarbeit bei gesundheitlichen Bedenken.

Untersuchung im Rahmen des Anspruchs: Der Entscheid wird dem Mitarbeitenden mitgeteilt. Eine Mitteilung an den Arbeitgeber ist nur mit Einverständnis des Mitarbeitenden zulässig.

Untersuchung im Rahmen des Obligatoriums: Der Entscheid wird sowohl dem Mitarbeitenden als auch dem Arbeitgeber mittels Formular mitgeteilt.

  • Human Resources (HR)
    • informiert den Personalärztlichen Dienst über neu eintretende Mitarbeitende, für welche eine Eignungsuntersuchung vor Stellenantritt obligatorisch ist (insbesondere Dauernachteinsatz)
    • informiert den Personalärztlichen Dienst, falls ein Mitarbeitender aufgrund eines internen Wechsels oder einer Vertragsanpassung neu in diese Kategorie fällt
  • Vorgesetzte Stellen
    • informieren Mitarbeitende, auf welche die entsprechenden Kriterien zutreffen, über ihren Anspruch auf eine Untersuchung
    • melden ggf. Mitarbeitende, welche eine obligatorische Untersuchung benötigen, beim PAD an
    • erhalten bei obligatorischen Untersuchungen einen schriftlichen Eignungsentscheid vom PAD
  • Personalärztin/-arzt
    • führt nach Anmeldung durch HR oder Vorgesetzten die Untersuchungen und Beratungen gemäss Seco-Vorgaben durch und stellt den Eignungsentscheid zu Handen des Vorgesetzten oder des Mitarbeitenden aus
    • für die obligatorischen Untersuchungen ist der PAD der jeweiligen Spitalregion zuständig
    • für Anspruchsuntersuchungen können die Mitarbeitenden aus Kapazitätsgründen dem PAD des Kantonsspitals St. Gallen zugewiesen werden
  • Pflegefachfrau PAD
    • bereitet den Gesundheitsfragebogen vor, gibt ihn dem Mitarbeitenden ab und unterstützt ihn ggf. beim Ausfüllen
    • nimmt den ausgefüllten Fragebogen entgegen, überprüft ihn und gibt ihn bei Auffälligkeiten an den Personalarzt weiter
    • führt die Blutdruckmessung und Urinuntersuchung durch und trägt die Ergebnisse auf dem Fragebogen ein
    • scannt nach Abschluss der Untersuchung den Fragebogen und das Eignungsformular in PAData ein

Leitfaden zur medizinischen Vorsorge für Nacht- und Schichtarbeitende des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO:

https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Arbeit/Arbeitsbedingungen/Arbeitszeitbewilligungen-TACHO/Medizinische-Untersuchung-Beratung-bei-Nachtarbeit.html