Neutropenie - OKS

Grundlage

Patienten mit verminderter Granulozytenzahl haben ein erhöhtes Risiko, an Infektionen zu erkranken. In Abhängigkeit der Neutropeniedauer bzw. der Grundkrankheit und des Alters der Patienten ist das Risiko einer Infektion unterschiedlich ausgeprägt. Daher unterscheiden sich die entsprechenden zusätzlichen infektionspräventiven Massnahmen.

Die wichtigsten hygienischen Massnahmen

Unter Standardmassnahmen werden die im Folgenden beschriebenen Massnahmen im Umgang mit allen Patienten verstanden. Die Händedesinfektion, der Umgang mit Handschuhen, chirurgischer Maske, Schutzbrille und Überschürze wird im Rahmen der Standardmassnahmen und bei Kontaktisolationen gleich durchgeführt:

  • Hygienische Händedesinfektion: Korrekte Durchführung der Händedesinfektion nach den 5 Indikationen der WHO
  • Handschuhe: Bei Kontakt mit Körpersekret/-Flüssigkeit der Hände
  • Chirurgische Maske/Schutzbrille: Bei Kontakt mit Körpersekret/-Flüssigkeit des Gesichts
  • Überschürze: Bei Kontakt mit Körpersekret/-Flüssigkeit des Körpers/Arme

Zusätzliche Massnahmen in Abhängigkeit vom Schweregrad der Neutropenie/Aplasie

 

Neutropenie mässiges Risiko (Neutropenie 0.1-0.4G/l
und erwartete Dauer der Aplasie <7 Tage)

Neutropenie hohes Risiko (Neutropenie <0.1G/l und erwartete Dauer der Aplasie >7 Tage)
Protektive Isolation
MassnahmenStandardmassnahmenProtektive Isolation
ZimmerBevorzugt Onkologie/Medizin, bzw. abhängig von Grunderkrankung

Patient ausserhalb Zimmer/Untersuchungen

Keine Maske

Grundsätzlich ohne Maske:

  • Aufenthalt Abteilugngskorridor: Ohne Kontakt (Abstand 1 Meter) zu anderen Kindern

Chirurgische Maske, wenn Baustelle

Kontakte zu infektiösen Patienten sind zu vermeiden. Wartezeiten kurz halten

Personal
 

Standardmassnahmen
  • Infektionen obere Atemwege: Arbeit nur in Rücksprache mit den Vorgesetzten und wenn ja: Tragen einer chirurgischen Maske
  • Herpes labialis aktiv: Tragen einer chirurgischen Maske
Schnitt-/Trockenblumen/PflanzenErlaubtNicht erlaubt
Tägliche DesinfektionFlächendesinfektionFlächendesinfektion

 

Definitionen

  • Neutropenie: Verminderung der neutrophilen Granulozyten
  • Aplasie/Schwere Neutropenie: Absolute Neutrophilenzahl < 0.5G/l

Einstufung individuelles Risiko

 Neutropenie mässiges RisikoNeutropenie hohes Risiko
Einstufung
  • Neutropenie 0.1-0.4G/l
  • Erwartete Dauer der Aplasie <7 Tage
  • Neutropenie <0.1G/l
  • Erwartete Dauer der Aplasie >7 Tage
Beispiele
  • Neutropenie nach medikamentöser Tumortherapie solider Tumore
  • Lymphome
  • Nicht-chemotherapiebedingte medikamentöse Agranulozytose
  • Aplasie in palliativen Situationen
  • Myelodysplasie
  • Induktionstherapie akute Leukämien oder Myelodysplastisches Syndrom
  • Schwere aplastische Anämien
  • Hochdosistherapien mit Stammzellretransfusionen

 

 Neutropenie mässiges RisikoNeutropenie hohes Risiko
Abteilung/Zimmer
  • B-West
  • Vorzugsweise Einer- bis Zweierzimmer mit Patienten ohne akute Infektion
  • B-West: Einzelzimmer
    • Toilette/Dusche: Darf auf Gang benützt werden
  • Zimmerbeschriftung mit Schild „Protektive Isolation
IntensivstationVorzugsweise Einer- oder Zweierzimmer (Zimmernachbar ohne akute Infektion)
  • Isolationszimmer (Überdruck)  bevorzugt, falls belegt oder spezielle pflegerische Situation notwendig
    • 2-Bett-Zimmer
    • Zimmernachbar ohne akute Infektion

Ambulatorium
Notfallstation

Standardmassnahmen, keine zusätzlichen Massnahmen
  • Möglichst rasche Verlegung im Falle eines stationären Aufenthalts
 Neutropenie mässiges RisikoNeutropenie hohes Risiko
Allgemein

Standardmassnahmen

Impfungen

                                   Impfung/Immunität gegen MMR, Varizellen und jährliche Grippe-Impfung dringend empfohlen

InfektionObere Atemwege: Tragen einer chirurgischen Maske gemäss Standardmassnahmen
  • Obere Atemwege: Arbeitsaufnahme nur nach Rücksprache mit den Vorgesetzten und falls ja: Tragen einer chirurgischen Maske im Patientenzimmer
  • Aktiver Herpes labialis: Tragen einer chirurgischen Maske im Patientenzimmer

 

 Neutropenie mässiges RisikoNeutropenie hohes Risiko
Cough-/Husten-Etikette
bei Patienten mit Husten

Instruktion durch Pflegepersonal

  • Einwegtaschentücher verwenden
  • Taschentücher nach Gebrauch entsorgen
  • Händewaschen oder -Desinfektion
Ernährung
  • Eine spezielle "keimarme" Ernährung ist nicht notwendig, Konsistenz den Schleimhautverhältnissen (enoral/Speiseröhre) anpassen (ggf. Ernährungsberatung involvieren)
    • Vermeiden: rohes Fleisch, rohe Eier, rohe Milch/Rahm
  • Trinken von Leitungswasser erlaubt
  • Lagerung und Verwendung von Nahrungsmitteln siehe RL Umgang mit Lebensmitteln ausserhalb der Küche
  • Die Zubereitung von Lebensmitteln/Menüs durch Eltern/Angehörige erfolgt unter Anleitung der Pflege
Mundpflege
  • Thrombozyten > 10G/l
    • Zahnhygiene nach jeder Mahlzeit mit weicher Zahnbürste, anschliessender Mundspülung mit Leitungswasser
    • Zahnbürste nach Gebrauch spülen und mit Bürstenteil nach oben in Zahnglas stellen
      • Neutropenie hohes Risko: Zahnbürste 2-wöchentlich wechseln
  • Thrombozyten < 10G/l oder Zahnfleischinfiltrationen oder Blutung
    • Zahnbürste nicht benützen

Details siehe Intrannet interdisziplinäre Richtlinie Mundpflege

Körperpflege
  • Duschen/Waschen: Milde, pH-neutrale Seife (desinfizierende Seifen sind nicht notwendig)
  • Hautpflege: Nährende Körperlotion nach der Körperreinigung verwenden
  • Rasur: Elektrische Rasierapparate der Nassrasur vorziehen
  • Duschen/Waschen: Milde, pH-neutrale Seife (desinfizierende Seifen sind nicht notwendig).
  • Händehygiene: Regelmässig Hände waschen oder desinfizieren insbesondere nach Benutzung der Toilette
  • Intimpflege: Mindestens 1x täglich und nach jeder Darmentleerung, Feuchttüchli oder Wasser und Seife verwenden
  • Hautpflege: Nährende Körperlotion  nach der Körperreinigung
  • Rasur: Ausschliesslich elektrische Rasierapparate verwenden
  • Duschen ausserhalb des Zimmers und Toiletten auf Abteilungskorridor: Keine Desinfektion vor/nach Gebrauch notwendig
  • Verletzungen der Haut und Nägel vermeiden (z.B. Pflege trockener Haut, Nägel nicht zu kurz schneiden)

Untersuchungen/Aufenthalt
ausserhalb Zimmer

  • Wartezeiten und Kontakte in Wartezonen mit Patienten vermeiden
  • Keine Maske notwendig
  • Zielorte informieren
  • Keine Maske notwendig
  • IPS-Patienten aus Isolierzimmer tragen eine chir. Maske
  • Wartezeiten und Kontakte in Wartezonen mit Patienten vermeiden
Schnitt-/Trockenblumen, Pflanzen
  • Erlaubt
  • Nicht erlaubt
Besucher
  • Bei akuter Infektion (z.B. Infektion der oberen Atemwege, Körperausschlag):
    • Rücksprache mit Abteilungspersonal
    • Allenfalls Besuch mit chirurgischer Maske erlaubt
  • Grundsätzlich sind Besuche sowohl von Kindern wie von Erwachsenen erlaubt
  • Händedesinfektion vor Betreten des Zimmers, Instruktion durch Pflegepersonal
  • Bei akuter Infektion (z.B. Infektion der oberen Atemwege, aktiver Herpes labialis, Körperausschlag)
    • Rücksprache mit Abteilungspersonal
    • Allenfalls Besuch mit chirurgischer Maske erlaubt
Patienteninformation

Merkblatt für Eltern/Angehörige von Patienten mit Neutropenie/protektiver Isolation

 

Neutropenie mässiges Risiko

  • Tägliche Wischdesinfektion durch das Reinigungspersonal

Neutropenie hohes Risiko

  • Tägliche Wischdesinfektion durch das Reinigungspersonal

Materialien/Gegenstände

  • Patientenbezogen verwenden
  • Falls nicht steril verpackt (z.B. Spielsachen) , vorgängige Desinfekton mit geeignetem Desinfektionsmittel

Dusche/Lavabo

  • Keine Desinfektionsmassnahmen der Dusche ausserhalb des Patientenzimmers
  • Wasserhan/Duschköpfe 1x täglich während 30 Sek. heiss durchspülen
  • Perlatoren (Strahlregler Lavabo) in den Patientenzimmern monatlich durch Neue ersetzen. Kontrolliste führen. Prüfung der Kontrolllisten durch Pflegepersonal