Multiresistente Keime: Eintrittsscreening und Indikationen Isolation

Neben MRSA werden multiresistente gramnegative Keime (MRGN) - insbesondere Carbapenemase- und ESBL-aktive Keime - deren Reservoir der Darm ist, zur immer grösseren Herausforderung in der modernen Medizin. Mit einem Screening bei Eintritt sollen Patienten mit einem erhöhten Risiko gescreent und erkannt werden.

Schema Screening/vorsorgliche Isolation

Details siehe unten

 

Risikostratifiziertes Vorgehen bezüglich Screening/Isolation

Aufenthalt in medizinischer Institution (Akutspital, Rehabilitation, Pflegeheim) im Ausland, Kantone GE, VD, TI > 24h oder regelmässige ambulante Behandlungen in den letzten 6 Monaten

  • Pat mit offenen, nässenden, sezernierenden Wunden und/oder Blasenkatheter
    • Abstriche bei Eintritt  und vorsorgliche Kontaktisolation
    • Erstes Screening (Eintritt): Entisolation bei Vorliegen aller neg. Resultate
    • Zweites Screening nach 5 Tagen bei direkter Verlegung aus Risikospital (ohne weitere Kontaktisolation)
  • Pat ohne offene, nässende, sezernierende Wunden und/oder Blasenkatheter
    • Abstriche bei Eintritt, keine vorsorgliche Kontaktisolation
    • Zweites Screening nach 5 Tagen bei direkter Verlegung aus Risikospital (ohne vorsorgliche Kontaktisolation) 
  • Ambulante Hämodialyse: Screening bei erster Dialyse
    • Interne Patienten nach Ferienaufenthalt mit externer Dialyse
    • Externe Patienten mit Feriendialyse am eigenen Spital

Bekannte Besiedelung/Infektion mit MRSA/MRGN

  • Vorgehen siehe Richtlinien MRSA und MRGN

 

Durchführung der Abstriche

  • Steril verpacktes Set öffnen,Tupfer entnehmen und mit sterilem 0.9%-igem NaCl befeuchten
  • Tupfer nach Probenentnahme sofort in Medium geben, Röhrchen fest verschliessen und beschriftete Patientenettikette (Ort Abstrich/Probe) aufkleben
  • Proben zusammen mit Auftragsformularen sofort ins Labor senden

Details zu Probenmaterial und Laborformular siehe "Material und Laborformular"

 

LokalisationMRSAMRGN (ESBL/Carbapenemase)Bemerkung
Nase

x

 Abstrich mit Tupfer vordere Nasenhöhle bds.
Rachen    x Abstrich mit Tupfer
Achseln/Leisten    x Abstrich mit Tupfer: zuerst Achsel bds., anschliessend Leiste bds.
Wunden    x 

Abstrich mit Tupfer: Bei offenen, sezernierenden oder nässenden Wunden:
Wundabstrich ohne vorgängige Hautdesinfektion durchführen

Urin    x Urinprobe bei Vorliegen eines Blasenkatheter (auch wenn der Katheter bei Eintritt entfernt wird)
Rektal     x

Abstrich mit Tupfer: Tupfer drehend bis hinter den Analschliessmuskel einführen; idealerweise mit sichtbarem Fäkalmaterial.

Ausnahmen:

  • Patienten in Neutropenie <500/µl und oder Thrombopenie <50/µl => Perianalabstrich
  • Patienten mit endständigem Colostoma => Abstrich aus dem Stoma