Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)

Alle Isolationen müssen der Spitalhygiene gemeldet werden. Kontakt:

Quellen

  • Kolonisierte oder infizierte Patienten
  • Kolonisierte Medizinalpersonen
  • Unmittelbare Patientenumgebung (Mobiliar/Geräte)

Übertragungswege

  • Hände des Personals (direkt)
  • Selten
    • Via Geräte und medizinische Instrumente (indirekt)
    • Tröpfchen bei starkem Husten und Besiedelung des Rachens

Definition/Resistenzmechanismus

  • Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)
    • Resistenz gegen alle Beta-Laktam-Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine, Carbapeneme) durch verhinderte Bindung an verändertes Penicillin-Bindeprotein (PBP2)
    • Häufig Resistenz gegen weitere Antibiotika-Klassen (Tetracycline, Makrolide, Lincosamide, Chinolone)

Epidemiologie

  • Weltweit unterschiedlich
  • Schweiz: Ca 12% der Staphylococcus aureus sind methicillinresistent, Prävalenz der MRSA im Westen und Süden der Schweiz grösser als im Osten

Auswirkungen

  • Individuum
    • Beste Therapieoption (Beta-Laktam-Antibiotika) nicht möglich
    • Wirksame Antibiotikatherapie bei tiefer Prävalenz meist verzögert
    • Höhere Mortalität
  • Epidemiologisch
    • Bei hoher Prävalenz Anpassen der empirischen Therapie auf schlechter wirksame Antibiotika

Indikationen Isolation und Abstriche

Räumliche Trennung

  • Einzelzimmer mit WC und Dusche
  • Isolierzone (= markierte Zone: Intensiv-, Überwachstationen, Tagesstationen/Dialyse)

Zimmermarkierung

  • Rotes Türschild Kontaktisolation

Einrichten Isolation

  • Innerhalb des Zimmers/Isolierzone im Eingangsbereich oder vor dem Zimmer bei engen räumlichen Verhältnissen
    • Händedesinfektionsmittel
    • Flächendesinfektionsmittel, Reinigungs/-Desinfektionstuch, Handschuhe

Unter Standardmassnahmen werden die im Folgenden beschrieben Massnahmen im Umgang mit allen Patienten verstanden. Die Händedesinfektion, der Umgang mit Handschuhen, chirurgischer Maske, Schutzbrille und Überschürze wird im Rahmen der Standardmassnahmen und bei Kontaktisolationen gleich durchgeführt:

  • Hygienische Händedesinfektion: Korrekte Durchführung der Händedesinfektion nach den 5 Indikationen der WHO
  • Handschuhe: Bei Kontakt der Hände mit Körpersekret/-flüssigkeit
  • Chirurgische Maske/Schutzbrille: Bei Kontakt des Gesichts mit Körpersekret/-flüssigkeit
  • Überschürze: Bei Kontakt des Körpers/der Arme mit Körpersekret/-flüssigkeit

Hustenregel (Personal und Patienten):

  • Papiertaschentuch/Kosmetiktuch benutzen (nicht in die Hände husten/niesen)
  • Nach Entsorgen des Taschentuchs hygienische Händedesinfektion
  • Falls kein Papier(-Taschentuch) in der Nähe, in Ellenbeuge husten/niesen

Details siehe Richtlinie "Standardmassnahmen", Übersicht siehe "Poster Standardmassnahmen"

Aufenthalt ausserhalb des Patientenzimmers

  • Der Aufenthalt ausserhalb des Zimmers (z.B. Cafeteria) ist erlaubt
    • Nicht kooperative Patienten in Absprache mit der Spitalhygiene
  • Keine physischen Kontakte zu anderen Patienten

Kinderabteilung: Nur Spaziergänge ausserhalb Spital erlaubt

Untersuchungen/Eingriffe ausserhalb Patientenzimmer

Eine Isolation ist kein Grund für das Verschieben medizinisch notwendiger Untersuchungen oder Therapien!

  • Anmeldung
    • Information Zielabteilung/Untersucher/Transportdienst
  • Patiententransport
    • Patienten mit Husten: Chirurgische Maske
    • Personal: Standardmassnahmen
    • Bett: Vor Transport Desinfektion Kopf-, und Fussteil
  • Untersuchungsbereiche
    • Ambulante Bereiche: Standardmassnahmen, nach Patientenbetreuung: Desinfektion aller Flächen/Gegenstände mit Patienten- und Personalkontakte
    • OP- und Eingriffsräume: Siehe RL "Kontaktisolation OP- und Eingriffsräume"

Patienteninformation

  • Händedesinfektion beim Verlassen des Patientenzimmer
  • Instruktion durch Pflege über korrekte Durchführung

Tägliche Zimmerreinigung/-desinfektion

  • Es gelten die üblichen Arbeitsabläufe

Verbrauchsmaterial, Geräte, Gegenstände, Instrumente

  • Material, Geräte patientenbezogen verwenden
  • Desinfektion von Gegenständen, welche aus dem Zimmer gebracht werden
  • Reguläre Aufbereitung von Instrumenten

Abfall, Wäsche, Geschirr

  • Es gelten die üblichen Arbeitsabläufe

Dekolonisierung

Eine Dekolonisierung erfolgt nur auf Verordnung der Spitalhygiene nach individueller Evaluation der Patienten

  • Entscheidend für einen Erfolg einer Dekolonisierung sind eine korrekte Durchführung und das Fehlen von Risikofaktoren (offene Wunden, Tracheostoma, Blasenkatheter, systemische antibiotische Therapie, Immunsuppression)
  • Dekolonisierungsschema: Dekolonisierung zu Hause (div. Sprachen: Übersetzungen), Dekolonisierung durch Pflege (Verordnung Spitalhygiene)

Kontrollabstriche

  • Kontrollabstriche dienen zur langfristigen Kontrolle der Dekolonisierung
  • Der Zeitpunkt der Kontrollabstriche wird durch die Spitalhygiene festgelegt (in der Regel 1, 3, 6 und 12 Monate nach Ende der Dekolonisierung)
  • Durchführung MRSA-Abstriche

  • Die Spitalhygiene verordnet eine Umgebungsuntersung mittels Screening bei
    • Mitpatienten von Patienten mit einem MRSA-Zufallsbefund während der Hospitalisation
    • Ausbruchssituation

Aufhebung Isolation

  • Die Dauer der Isolation wird von der Spitalhygiene festgelegt

Schlussdesinfektion

Bettinhalte

  • Duvet/Kopfkissen
    • Waschbar: Waschen bei 60°C, keine spezielle Kennzeichnung notwendig
    • Desinfizierbare Oberfläche (z.B. Sleep Angel®): Wischdesinfektion
  • Personal
  • Nach Patientenbetreuung
    • Desinfektion aller Flächen/Gegenstände mit Patienten- und Personalkontakten