Chlamydia (C. trachomatis) / LGV

Grundsätze

  • nur symptomatische Patienten testen (ausser Partnerbehandlung)
  • Partnerinformation und -behandlung
  • bei dokumentierter Chlamydieninfektion immer auch andere STDs suchen (Gonorrhoe, Syphilis, HIV je nach Risiko) und Hep B Impfstatus überprüfen

 Indikation

  • symptomatischer Infektion
  • Patienten mit anderen STD
  • Sexualpartner mit bestätigter STD
  • Schwangerschaft
  • vor Einlegenn eines IUD

Ziel bei Frauen: Eindämmen von Komplikationen wie PID, ektope Schwangerschaft, Infertilität, Partnerbehandlung

Ziel bei Männern: Epididymitis und Orchitis verhindern, Partnerbehandlung

 

Frauen: meist asymptomatisch

  • Zervizitis (85% asymptomatisch): mukopurulenter Ausfluss, Metrorrhagien, postkoitale Blutungen
  • PID: Unterbauchschmerzen und Ausfluss, Infertilitätsprobleme, meist asymptomatisch
  • Perihepatitis: bei 5-15% der PID, rechtsseitige Oberbauchschmerzen
  • Urethritis: Dysurie, Pyurie (ohne Bakteriurie)
  • SS: erhöht Risiko für Frühgeburt
  • Rektale Infektionen meist asymptomatisch, bei Frauen auch Autoinokulation vaginal/anal. Potentielles Reservoir für Re-infektion.

Männer

  • Urethritis: häufig eher klarer Ausfluss
  • Epididymitis: einseitige Schmerzen im Hoden, Schwellung der Epididymis
  • Prostatitis: sehr selten, kontrovers
  • Rektale Infektion meist asymptomatisch
  • Proktitis und Lymphogranuloma venerum (LGV):
    • Serovar L1-3 (LGV)
    • oft bei MSM nach rezeptivem analen GV, blutig-schleimiger Stuhl, Schmerzen beim Stuhlgang
    • schmerzhafte LK-Schwellung pararektal (oder inguinal bei Penisbefall)
    • Komplikationen: Fisteln und Strikturen
  • Reaktive Arthritis: ca. 1 % Patienten nach Urethritis

Allgemeine Aspekte

  • Sexualanamnese !
  • Inkubationszeit:
    • Chlamydien-Infektion: 7-14 Tage (ev. länger)
    • Lymphgranuloma venerum (L1-3): 3-30 Tage für primäre Läsion, 10-14 Tage für Bubo

Durchführung Chlamydiendiagnostik mittels PCR

  • Vaginal/Zervixabstrich: unter Rotation mit Abstrichtupfer Sekret entnehmen
  • Meatus/Urethralabstrich: ähnlich sensitiv wie Erstrahlurin bei Männern
  • Urinprobe: frühestens 1 h nach letzter Miktion, Erststrahlurin, 20ml nötig (bei Freuen weniger sensitiv als Vaginalabstrich)
  • Analabstrich: unter Rotation Abstrichtupfer 3-5 cm einführen, ca 30s
  • Rachenabstrich: Rachenhinterwand und Tonsillen abstreichen
  • allgemein: Tupfer an Wand des Röhrchens abstreichen und Entfernenvor dem Einsenden

Meldepflichtige Erkrankung

  • Reine Labormeldung. Keine ärztliche Ergänzungsmeldung nötig

Empirische Therapie bei symptomatischer Klinik:

  • Immer kombinierte Therapie Neisseria gonorhoe und Chlamydia trachomatis

Therapie nach bestätigter Chlamydien-Infektion:

  • unkomplizierte genitale, pharyngeale und rektale Chlamydien Infektion: .
    • Doxycyclin 100 mgBID x 7d (Adhärenz besprechen)
    • Alternativ, insbes. bei Schwangerschaft, fraglicher Adhärenz oder starker Sonnenexposition: Azithromycin 1 g p.o. einmalig (unterlegene Wirksamkeit  v.a. bei rektaler Infektion) 
  • Lymphogranuloma venerum (LGV)
    • Doxycyclin 100 mg bid po 21 d
    • Alternativ (siehe oben) Azithromycin 1g p.o. Q7D x 3w
  • "Pelvic inflammatory disease" PID: Abdeckung breites Erregersprekrum wenn kein Erregernachweis erfolgt ist
    • Grundsätzlich Kombinationstherapie
    • Rücksprache mit Infektiologie/Gynäkologie ratsam
    • Beispiel:
      • Ceftriaxon 1g/d i.m. oder IV für 7 Tage
        PLUS
      • Doxycyklin 100mg PO  BID für 14 Tage
        PLUS
      • Metronidazol 500mg PO BID für 14 Tage
  • Test of cure: frühestens 4 Wochen nach Therapieende
    • nicht nötig wenn Patient unter Therapie asymptomatisch geworden ist
    • Symptompersistenz
    • zweifelhafte Adhärenz
    • v.a. Reinfektion
    • in Schwangerschaft
    • PID
    • LGV
    • unkonventionelle Thearpie

Grundsätze

  • ideal: alle Partner der letzten 6 Monate, minimum: Partner der letzten 4 Wochen
  • Zeitgleiche Behandlung der regelmässigen Sexualpartner ist Voraussetzung für langfristigen Therapieerfolg.

Therapie

  • Partnertherapie in aller Regel eine empirische Therapie ► keine Testung der Sexualpartner, bzw. vor Therapie nicht erst Testergebnisse abwarten
  • Partner erhält die gleiche Therapie wie dokumentiert infizierter Patient

Einige Tipps zur Fragetechnik

  • Frage nach Sex ohne Kondom:
    • Problematisch (Erwartungshaltung): Hatten Sie ungeschützten Sex mit einer Prostituierten?,
    • Besser: Wenn es die Frau von sich aus anbietet bevorzugen viele Männer bei bezahltem Sex Verkehr ohne Gummi. Wie oft ist Ihnen das schon passiert?
  • Frage nach sexueller Orientierung
    • Nicht empfohlen: „Sind Sie homosexuell?“
    • Besser: "wenn Sie Sex haben, häufiger mit Frauen oder mit Männern?"
  • Offene Fragen bei Systemanamnese
    • Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Sexualleben?
    • Hatten Sie jemals eine Geschlechtskrankheit?
  • Mögliche Fragen bei Verdacht auf STD
    • Wie lange liegen Ihre letzten Intimen Kontakte (Zungenkuss, Sex) zurück?
    • Ich denke an die Möglichkeit einer Geschlechtskrankheit und möchte eine solche ausschliessen. Denken Sie, das wäre grundsätzlich möglich?

Referenzguideline (Grundlage für SSI-Version):

Sexuell übertragene Infektionen mit Chlamydia trachomatis, Schw. Med Forum 2017

Dokumentation zu dieser SSI-Guideline

  • Diese Guideline wurde 2017 noch vor Inkrafttreten des SSI Guideline-Konzeptes durch eine interdisziplinäre Expertengruppe der SSI erstellt und publiziert.  
    (J. Notter, B Frey Tirri, F. Bally, K. Aebi Popp, M. Yaron, D. Nadal, M. Cavassini, C. Hauser, P. Vernazza, AJ. Schmidt, P. Itin, J. Fehr, A. Calmy, N. Low, P. Tarr)
  • Die vorliegende Kurzfassung der publizierten Guideline wurde durch einen Co-Autor der ursprünglichen Guidline überprüft und im Rahmen des Review-Prozesses SSI-Guidelines vom 7.5.17 (SGInf.ch) validiert
  • Informationen zu den Experten, allfälligen Interessenskonfliken und Ablauf der Guideline-Entwicklung findet sich hier