Prävention von nosokomialen Legionellosen - STGAG

Infektionsquellen

  • Wasserleitungssysteme, Wasserhahne sowie Duschköpfe über Aerosol-Inhalation von legionellenhaltigem Wasser
  • Ultraschallvernebler und Befeuchter

Grundlagen

Surveillance Infektionen:

  • Die Spitalhygiene überwacht alle Patienten mit einem positiven Legionellenbefund. Das Labor meldet positive Legionellenbefunde. Die Spitalhygiene klärt ab, ob es sich um eine mögliche nosokomiale Infektion handelt.
  • Abklärung im Falle einer nosokomialen Pneumonie. Das Risiko einer noskomialen Legionellose ist auf gewissen Spezialabteilungen wie jenen für Dialyse, Organtransplantation,Onkologie und Neonatologie sowie auf Intensivstationen erhöht. Bei solchen Patienten oder bei Patienten, welche auf eine Betalaktam-Monotherapie nicht ansprechen, sollte vom behandelnden Arzt eine Legionellen-Infektion ausgeschlossen werden (Legionellen-Ag im Urin, ggf. zusätzlich Sputum für Legionellen Kultur bzw. PCR in Rücksprache mit Infektiologie). Meldung an Spitalhygiene gewünscht.

Technische Massnahmen:

Entscheidend zur Verhinderung von nosokomialen Legionellen Erkrankung ist die Gewährleistung der geforderten Wassertemperaturen.

  • Temperaturkontrollen

  1. Das genutzte Warmwasser sollte täglich während einer Stunde auf 60-62 °C aufgeheizt werden.

  2. Die Temperatur im warmgehaltenen Teil des Verteilnetzes (ohne die Anschlussleitungen) soll immer über 55°C liegen.

  3. Die Temperatur des Kaltwassers darf 20°C nicht übersteigen. Deshalb ist eine gute Dämmung zwischen den Warm- und Kaltwasserleitungen unerlässlich.

  4. Tägliche Temperaturkontrolle des Boilers (inkl. Dokumentation, z. B. automatisch)

  5. Zweimonatliche Temperaturkontrolle der Heisswasseraustrittstellen (inkl. Dokumentation) an Duschen oder Lavabo pro Steigstrang, jeweils möglichst weit von der zentralen Trinkwassererwärmung entfernt liegend.

  • Kontrolle Armaturenaufsätze/Duschbrausen

  1. Unregelmässig benützte Wasserhähne, Duschen, Spüle, Wanne usw. regelmässig spülen (3-5 Minuten) und im Spülprotokoll dokumentieren (Zuständig im Personalbereich: Hauswirtschaft, Zuständig im Patientenbereich: entsprechende Teamleitung).
  2. Duschköpfe und Perlatoren müssen bei Auftreten von Rostbildung, Verkalkungen, Verkrustungen oder Ablagerungen gereinigt oder ausgewechselt werden.
  • Massnahmen, Verantwortlichkeit und Dokumentation

Die folgende Tabelle zeigt die durchzuführenden Massnahmen, die Verantwortlichkeit  inklusive Dokumentation auf.

MassnahmePeriodizitätBereich/AbteilungZuständigkeit und
Dokumentation
Temperaturmessung
Wasseraufbereitung
Kontinuierliche elektronische Erfassung mit Fehlermeldung
  • Kritischer Wert < 60°C
  • T>= 65°C mind. 2h 1 x tgl.
Alle Warmwasseraufbereitungen mit Versorgung von stationären Bereichen der STGAGTechnischer Dienst
Temperaturmessung
Wasseraustrittsstelle Patientenzimmer

alle 2 Monate

  • Kritischer Wert < 50°C
  • T>55°C
pro Steigstrang von allen stationären Bereichen, das am weitesten entfernte PatientenzimmerTechnischer Dienst

Armaturenaufsätze /Duschbrausen

reinigen und entkalken oder ggf. auswechseln

 

 1xjährlich entkalken, ggf. auswechseln,

CAVE: wenn Ablagerungen vorhanden sind, entsprechend häufiger

 

alle Patienten und Personalbereiche

 

Hauswirtschaft

Wenig benützte Bezugsstellen intensiv spülen

(CAVE: Aerosolbildung beim Spülen vermeiden)

 

Erforderliche Spülfrequenz (Heisswassertemperatur > 60°C) 

 

 

alle Patienten und Personalbereiche

Personalbereiche: Hauswirtschaft

Patientenbereiche:              Stations-/Bereichsleitung

 

  • übliche Nutzung nur alle 3-7  Tage
  • regelmässig 2xwöchentlich
 

Das Erstellen eines Spülplanes ist empfohlen.

  • Dauer seit letzten Nutzung > 1 Woche
  • unmittelbar vor Benutzung
 Das Erstellen eines Spülplanes ist empfohlen.
  • Dauer seit letzter Nutzung >1 Monat
  • Vor Inbetriebnahme intensives Spülen mit Kalt- und Warmwasser. Ggf. vorher verkrustete Duschköpfe u.a. hygienisch problematische Materialien (Schlauch, Dichtungen) ersetzen.
 Das Erstellen eines Spülplanes ist empfohlen.
Einweg-SterilfilterWechsel gemäss Herstellerangaben

Installation nur nach Rücksprache mit der Spitalhygiene möglich. ( Hauptproblem: regelmässige Wartung, andernfalls können Filterdurchbrüche das Legionellose-Risiko begünstigen)

Technischer Dienst / oder entsprechend Wartungsvertrag

 

Umbauten/Renovation /Neubauten

  • Die Wasserhähne sollen auf ein notwendiges Minimum beschränkt werden.
  • Stagnierendes Wasser oder Toträume sind zu vermeiden.
  • Nicht benötigte Leitungen sind vom Trinkwasserversorgungsnetz zu trennen.
  • Den Wasserdurchlauf vermindernde Massnahmen vermeiden.
  • Richtig dimensionierte (=richtiger Durchmesser) Leitungsnetze mit kurzen Leitungen sind Installationen mit langen Leitungen vorzuziehen.
  • Einwandfreies Funktionieren und Sauberkeit aller Wasser enthaltenden Installationen müssen stets gewährleistet sein.
  • Vor der Inbetriebnahme einer neuen Installation oder nach Arbeiten an einem Leitungsnetz sollte eine vollständige Spülung und allenfalls eine Desinfektion durchgeführt werden, Letztere gefolgt von gründlichem Spülen.

 

Vorgehen

  • Quellensuche bei Auftreten einer möglichen oder gesicherten nosokomialen Legionellose
  • Treffen von Massnahmen in Abhängigkeit der Resultate durch die Spitalhygiene in Zusammenarbeit mit der Technik/Mechanik
  • Information der betroffenen Bereiche und übergeordneten Stellen durch die Spitalhygiene (Auftreten, Resultate der Untersuchungen, durchzuführenden Massnahmen)
  • Dokumentation durch die Spitalhygiene