Gerinnungsabklärung bei zerebrovaskulären Erkrankungen

Bei Patienten mit kryptogen-(embolisch)em Schlaganfall und PFO mit oder ohne Vorhofseptumaneurysma ist, insbesondere bei einem RoPE-Score ≥6 Punkten,  eine Gerinnungsabklärung indiziert.

Das Vorliegen einer provozierten oder unprovozierten Hirnvenen- und/oder Sinusthrombose erfordert zwingend ein Thrombophiliescreening.

Darüber hinaus kann eine Gerinnungsdiagnostik bei Patienten mit kryptogenem Schlaganfall ohne PFO erwogen werden. Die Datenlage hierzu (Nutzen und therapeutische Konsequenzen) sind jedoch weitgehend unklar.

 

In Abhängigkeit vom klinischen Kontext sollen folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

1. Gerinnung (Citrat- und Nativblut):

  • Quick
  • INR
  • PTT
  • Fibrinogen
  • Anti β2 Glycoprotein AK (IgG und IgM)
  • ACL Antikörper (IgG und IgM)
  • Antithrombin
  • Faktor VIII C
  • D-Dimer
  • Lupusantikoagulanz (dRVVT Screening)
  • Protein C funkt.
  • Protein C-Systemtest
  • Protein S funkt.

 

2. Blutchemie (Heparin-Blut):

  • CRP
  • Homozystein
  • Lp (a) Lipoprotein (a)

 

3. Genetik (EDTA-Blut):

  • Faktor II G20210A
  • Faktor V Leiden G1691A

Für eine elektronische Beauftragung ist auf der NIPS ein entsprechender Block im INLAB vordefiniert.

Nach Beauftragung der Analytik, Konsilanmeldung im INLAB, mit „Gerinnungsabklärung bei PFO“ deutlich kennzeichnen. Bitte ausführliche Angaben inkl. aktueller Medikation im Konsilauftrag machen. Die schriftliche Gerinnungsabklärung wird innert weniger Tage an den Auftraggeber geschickt, kann also schon im Austrittsbericht erwähnt werden (ggf. aktiv im INLAB suchen). Den Austrittsbericht in Kopie an die Hämatologie zur Kenntnisnahme schicken.

Im Rahmen des stationären Aufenthaltes soll eine Bestimmung der Antiphospholipidantikörper (siehe oben unter 1. in kursiv) erfolgen. Genetische Untersuchungen sollen in der Regel nur bei <60jährigen weissen Patienten erfolgen, alle anderen Untersuchungen nur in begründeten Einzelfällen.

Im Rahmen des stationären Aufenthaltes Suche nach einer Prothrombinmutation und einem Faktor V Leiden (siehe 3. oben) sowie Bestimmung der Antiphospholipidantikörper (siehe oben unter 1. in kursiv). Zusätzlich Suche nach einer Polyglobulie (Differenzialblutbild) und nach möglicher Hämolyse (Anämie à erhöhtes LDH, vermindertes Haptoglobin, erhöhte Retikulozyten).

In einem zweiten Schritt nach frühestens einem Monat dann ergänzende Bestimmung von Protein C und Protein S funkt., Antithrombin, Faktor VIII und D-Dimeren.

Eine allgemeine Tumorsuche (B-Symptomatik?, Abdomensonograpie, Koloskopie, bei Frauen gynäkologische Untersuchung inkl. Mammographie und Ultraschall) sollte erwogen und grosszügig durchgeführt werden.

Gerinnungsabklärungen unter oraler Antikoagulation mit Phenprocoumon machen eine vorübergehende (mindestens 14 Tage) Umstellung auf Heparin (unfraktioniert oder niedermolekular) nötig, da es sonst zu Fehlbestimmungen der Faktoren Protein C, Protein S und Lupus Antikoagulans kommen kann. Bei Patienten unter DOAK sollte eine Einnahmepause von mindestens 36h vor Durchführung der Untersuchungen eingehalten werden.

Immer zu berücksichtigen ist die persönliche und Familienanamnese, insb. in Bezug auf thrombembolische Ereignisse, Aborte in der Frühschwangerschaft, etc..

Die Medikamentenanamnese sollte insb. Hormonpräparate (hormonelle Antikonzeptiva, auch Nuva-Ring und (Hormonspirale)) umfassen.