EHEC

Blutige Diarrhoe kann durch EHEC (enterohaemolytische E.coli) verursacht werden. EHEC finden sich im Darm vieler Nutztiere und können über Nahrungsmittel eingenommen werden (Rohes Gemüse, rohes Fleisch, Rohmilch etc). Sporadische Ausbrüche bekannt (s. BAG 2003)

Bei Verdacht auf blutigen Durchfall durch EHEC, sollen keine Antibiotika verabreicht werden, da durch das Antibiotikum die Toxine (wie z.b. Shigatoxin) erst recht freigesetzt werden, und durch die Einschwemmung der grossen Toxinmenge der Verlauf schwerer sein kann (DGI 2011).

Komplikationen bei EHEC: hämolytisch urämisches Syndrom

 Ausbruch (Mai 2011) in Deutschland: (Wann sollen wir daran denken)

  1. Exposition (Anamnese ob in Deutschland gewesen)
  2. klinisches Bild: blutiger Durchfall (sichtbar blutiger Stuhl)
  3. Massnahmen:
    • Verdacht an Kantonsarzt (s. Telefonliste BAG) melden mit Meldeformular
    • Stuhlkultur ans Zentrum für Labormedizin St.Gallen (ehemals IKMI, s. Probenversand)
    • Kontrolle Blutbild und Nierenparameter
    • Bei Bestätigung des EHEC Verdachtes, Kontrolle Blutbild und Nierenparameter mind. 1x/Woche für 2 Wochen
    • Bei Verschlechterung der Werte Hospitalisation
    • Kontaktaufnahme mit Infektiologie jederzeit möglich und erwünscht (Tel: 071 494 67 67)

Vorgehen in der Praxis (Stand 31.5.11) bei Pat. mit Durchfall

  1. Anamnese (Menge, Frequenz, Blut im Stuhl und Konsistenz?, Reiseanamnese)
  2. Standardmassnamen (korrekte Händedesinfektion, Handschuhe bei Kontakt mit Körpersekret)

Vorgehen bei Pat. mit blutigem Durchfall

  1. Labor: Butbild (Hb, Lc Tc), Elektrolyte, Nieren- Leberparameter
  2. KEINE Antibiotika-Therapie!
  3. Kontaktaufnahme mit Infektiologie (071 494 6767, [24-h]) zur Besprechung des weiteren Vorgehens
  4. Stuhlprobe an IKMI (Tel 071 494 3782) mit Auftrag: Frage nach EHEC  (s. Diagnostik)
  5. Instruktion Patient allgemeine Hygienemassnahmen

Wann Hospitalisieren

  • nur wenn klinisch notwendig. Vorbesprechung Infektiologie (071 494 6767).
  • Vorerst würden wir Patienten im KSSG hospitalisieren (komplexe Diagnostik, Dialyse, IPS)
  • Kontaktaufnahme mit Infektiologie jederzeit möglich und erwünscht (Tel: 071 494 67 67, KSSG int: 1122)
  • Verdacht an Kantonsarzt melden (Meldeformular besonderes Ereignis)
  • Stuhlkultur ans Zentrum für Labormedizin St.Gallen (ehemals IKMI)
  • Kontrolle Blutbild, Nierenparameter
  • KEINE ANTIBIOTIKA!
  • Bei Bestätigung des EHEC Verdachtes Kontrolle Blutbild und Nierenparameter 1-2x/Woche für 3 Wochen
  • Bei Verschlechterung der Werte Hospitalisation
  • hämolytische Anaemie
  • Thrombozytopenie < 150'000 Zellen /mm3
  • Nierenfunktionsstörung
    • Oligurie < 500 ml /24h und Serumkreatininerhöhung
    • Anurie < 100 ml /24h
    • Proteinurie
    • Haematurie

 

Plasmapherese vermindert den Verbrauch von Thrombozyten

Plasmapherese-Indikation

  • renale und/oder neurologische Beteiligung
  • schwere Haemolyse und /oder Thrombozyten < 100'000

Plasmapherese mit Ersatz des Plasmavolumens alle 24 h ( nach 5 Plasmapheresen, kann je nach Verlauf auf alle 48 h ausgedehnt werden)

Stopp der Plasmapherese, wenn die LDH < 400 IU/l und Thrombozyten über 100'000

Je nach Nierenfunktion allenfalls Haemodialyse nach Plasmapherese indiziert.

Erythrozytenkonzentrate nur bei Hb < 6 g/dl, und Hb nicht über 10 g/dl anheben

(RKI Juni 2011)

Seit May 2011 (Ausbruch initial in Deutschland) zirkulieren besonders virulente Varianten eines Shiga-Toxin 2 (Stx2)-bildenden E. coli. Das Toxin kann mittels PCR im Stuhl diagnostziert werden.

Die Diagnostik wird zur Zeit durch das NENT (Nationales Referenzzentrum Enteropathogene Bakterien und Listeria monocytogenes) in Zürich (durchgeführt.

Stuhlprobe ans IKMI schicken. Fragestellung: EHEC?
Biitte Auftragsformular NENT auch ausfüllen und mit Stuhlprobe ans IKMI schicken
(zusätzlich übliche Enteritis-Keime abklären [Salm/Shigellen/Yers/Campylobakter])

 

  • Nativstuhl (ca. 5-10ml) in Nativröhrchen (Abb rechts) oder Cairy-Blair-Medium einschickenNativstuhl-Röhrchen
  • Probengefäss gut verschliessen
  • Proben direkt von Abteilung / ZNA an IKMI (Zentrum Labormedizin)
  • Ambulante Patienten sollen Probe in ZNA bringen für Trsp ins Labor
  • Bitte  Auftragsformular NENT beilegen mit klinischen Angaben
  • In der aktuellen Ausbruchssituation bitte vor Probenversand Labor telefonisch kontaktieren: 071 494 3714
  • Patienten instruieren: Enterale Infektionen werden durch Erbrochenes und Stuhl übertragen (s. Flyer)
  • Wirksamste Methode zur Verhinderung der Übertragung ist das
    • gründliches Händewaschen (mit Seife)
      • Nach Toilette
      • Vor Zubereitung von Speisen
    • Reinigung von kontaminierten Flächen (Boden, WC, Bettwäsche etc.) bei Durchfall/Erbrechen
      • Aufwischen mit Papiertuch und im Kehrricht entsorgen
      • geeignetes Reinigungsmittel (Detergens, Seife)
      • anschliessend Hände gründlich mit Seife reinigen
  • Angestellte in Lebensmittelverarbeitenden Betrieben dürfen nicht arbeiten, solange Durchfall besteht

(adaptiert nach BAG: FAQ-EHEC)