HIV - peripartales Management

  • HIV Prävalenz in der Schweiz liegt bei ca. 0.35 %
  • neben der vertikalen- (intrauterin oder intrapartal/perinatal, Muttermilch) auch horizontale Transmission über Blut oder Blutprodukte, i.v. Suchtmittelkonsum, sexuell
  • vertikale Transmission v.a. im dritten Trimenon und unter der Geburt, sowie beim Stillen
  • Risiko der vertikalen Transmission in der Schweiz vernachlässigbar, falls
    • HIV-Infektion während der SS bekannt
    • Durchführung der empfohlenen Präventionsmassnahmen

Schwangerschaft

  • Empfehlung HIV-Testung in jeder Schwangerschaft als "good clinical practice" (Fachkommission Klinik und Therapie HIV/Aids (FKT) des Bundesamts für Gesundheit 2004)
  • wurde während der Schwangerschaft kein HIV-Test durchgeführt und ist die Risikoanamnese positiv, sub partu HIV-Schnelltest bzw. vorgeburtlich HIV-Testung
  • voeinander unabhängige Aufklärung der werdenden Kindseltern durch Geburtshelfer, Neonatologen und Infektiologen, wobei folgende Themen angesprochen werden sollen: antiretrovirale Therapie der Kindsmutter, Geburtsmodus, Massnahmen unter der Geburt, Postexpositionsprophylaxe (PEP) Kind, Stillen
  • Besprechung Perinatalboard (28.- 32. SSW, Geburtshelfer, Neonatologie, Infektiologie) mit Abstimmung der Präventionsmassnahmen (Therapie Mutter und Kind, Geburtsmodus, Stillen, PEP) und Planung von Geburt und Nachbetreuung unter Berücksichtigung des Elternwunsches

Geburt

  • vaginale Geburt empfohlen, falls Voraussetzungen erfüllt
    • Termingeburt, geschätztes GG >=2500g
    • wiederholt vollständig supprimierte HIV-RNA inkl. 36. SSW, <50 Kopien/ml
    • keine protrahierte Geburt zu erwarten
    • Geburtseinleitung nach üblichen geburtshiflichen Kriterien möglich
    • keine geburtshilflichen oder infektiologischen Gründe sprechen dagegen
    • keine aktive HCV-Co-Infektion
  • antiretrovirale Therapie unter der Geburt nur, falls nicht vollständig supprimierte HIV-RNA (>50 Kopien/ml)

Wochenbett

  • Stillen nicht empfohlen; akzeptiert, falls HIV-RNA <50 Kopien/ml und ausdrücklicher Wunsch der Kindseltern; vorausgesetzt: Verständnis der Risiken bei der Kindsmutter vorhanden (gemäss Festlegung Perinatalboard)
  • PEP Kind für 4 Wochen post partum empfohlen, akzeptiertes Weglassen, falls HIV-RNA <50 Kopien/ml und ausdrücklicher Wunsch der Kindseltern; vorausgesetzt: Verständnis der Risiken bei der Kindsmutter vorhanden (gemäss Festlegung Perinatalboard)
  • Standardhygienemassnahmen

Hintergrund

  • jede Blutentnahme ohne mögliche therapeutische oder diagnostische Konsequenz sollte vermieden werden
  • HIV-IgG werden transplazentar übertragen, sind beim Kind bis ins Alter von 18-24 Monaten nachweisbar und deshalb für den Ausschluss einer HIV Infektion beim Säugling ungeeignet
  • bei konnataler HIV-Infektion besteht das Risiko einer raschen klinischn Progression im 1. Lebensjahr

HIV Status beim Kind unbekannt

  • HIV-RNA (PCR) und klinische Beurteilung  im Alter von 1 und 6 Monaten
  • HIV-Westernblot im Alter von 18-24 Monaten zum definitiven Ausschluss einer konnatalen HIV-Infektion

HIV-Infektion beim Kind nachgewiesen

  • Betreuung in Spezialsprechstunde pädiatrischen Infektiologie