Tollwut

Betroffene Impfstoffe

Td-Pur® (bis voraussichtlichEnde Mai 2017; vorzugsweise zu ersetzen mit Boostrix®, v.a. falls Kontakt zu kleinen Säuglingen, ansonsten mit Revaxis®, das auch noch Polio enthält)

Boostrix-Polio® (Falls Indikation Reise inkl. Polio nötig, zu ersetzen mit Revaxis®, ansonsten ev. verschieben oder Boostrix® ohne Polio) 

Kinderimpfstoffe DTPa-IPV (Tetravac®, Infanrix DTPa-IPV®)  

Poliorix® (bis mindestens Ende 2017, Kombinationsimpfstoffe mit dT verwenden)

Tollwut Mérieux® und Rabipur®

Neisvac C® (zu ersetzen mit Menjugate®)

​BCG®

Varilrix® (zu ersetzen mit Varivax®)

Informationen zur aktuellen Verfügbarkeit und Liefersituation von Impfstoffen finden Sie auf www.infovac.ch

Infovac: Alle Impfstoffe

  • Reinigung der Wunde mit Wasser und Seife 15 min so gut wie möglich auswaschen. Oder in der Praxis mit NaCl
  • danach Desinfektion mit einer Jod-Povidon-Lösung
  • je nach Lokalisation und Tiefe der Bisswunde allenfalls preemptive antibiotische Therapie beginnen (Gesicht, Hand, tiefe Punktionswunden)
  • Gelegenheit zur Di-Te Auffrischung nutzen
  • bezüglich Notwendigkeit der Tollwutimpfung gemäss folgendem Schema:

Fledermaus:

  • apperzept mit Biss, oder inapperzept im Schlaf (im gleichen Raum) -> PEP
  • Kontakt im Wachzustand und im freien ohne Biss -> keine Massnahmen

Hund oder Katze

  • Tier krank, entwichen oder Halter unbekannt -> PEP
  • in oder aus Gebiet mit terrestrischer Tollwut: -> PEP beginnen. Tier 10 d beobachten, falls nach 10 d noch gesund, PEP stoppen
  • Unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen -> Tier 10 d beobachten -> PEP nur beginnen, wenn Tier krank wird
  • nicht aus Gebiet mit terrestrischer Tolwut und Halter bekannt -> keine Massnahmen ausser Wundbehandlung

andere terrestrische Säugetiere

  • in und aus Land mit terrestrischer Tollwut: -> PEP
  • nicht aus Land mit terrestrischer Tollwut -> keine Massnahmen ausser Wundbehandlung

Spital oder Labor

  • Patient oder Material Test positiv -> PEP
  • Patient oder Material Test negativ -> Test wiederholen, wenn wieder negativ keine Massnahmen, wenn Test positiv oder klin. Verdacht besteht -> PEP

Ausführliche Beschreibung des Vorgehens bei Tierbissen im Medical Forum Artikel 2016

  • bei vollständig präexpositionell Geimpften (> 3 Dosen): Hier genügt eine aktive Impfung mit 2 x 1 Dosis i.m. am Tag 0 und 3 sowie Serokontrolle Tag 14, falls Titer <0.5 IE/ml weitere Impfungen 1x/ Woche bis Titer 0.5 IE/ml erreicht wird.
  • Ungeimpft / Teilgeimpft (<3 Dosen): Hier braucht es eine komplette PEP mit aktiver und passiver Immunisierung.
    • Passiv: Simultan zur aktiven Impfung, Tollwutimmunglobulin am Tag 0 und zwar 20 IE/kgKG möglichst um die Wunde (ca. Hälfte des Impfstoffes), restliche Menge in den kontralateralen Deltoid. (Falls Immunglobuline nicht sofort verfügbar, können sie noch bis zum Tag 7 nach Beginn der aktiv Impfung gegeben werden)
    • Aktiv:  4 x 1 Dosis an den Tagen 0, 3, 7, 14 sowie Serokontrolle am Tag 21, falls hier unter 0.5 IE/ml soll am Tag 30 nochmals aktiv geimpft werden und dann soll 1 x Woche eine Serokontrolle erfolgen und so lange geimpft werden bis Titer 0.5 IE/ml erreicht wird.

Weitere Info auf www.bag.admin.ch

Risikoabwägung gemäss BAG hier zum PDF

Medical Forum 2016 zum Thema Tollwut

Tollwut-Antikörperbestimmung in Bern: hier der Link zum Auftragsformular

 

Die Schweiz gilt seit 2011 als frei von terrestrischer Tollwut. Fledermäuse hingegen können auch in der Schweiz Tollwut übertragen.

In umliegenden Ländern wie Österreich und Italien ist die Tollwut im Vormarsch, aber noch über 100 km von der Grenze entfernt, so dass wir noch immer davon ausgehen können, dass terrestrische Wildtiere in der Schweiz tollwutfrei sind.

 

in Gebieten ohne terrestrische Tollwut

  • Tierärzte, inkl. Studenten, Praxisassistentinnen, exponierte Tierpfleger, Tierhändler und Tierseuchenpolizisten
  • Fledermausforschern, Fledermausschützern und Fledermaus-Liebhaber
  • Personal in Diagnostiklabors und Tollwutforschungslabors sowie Tollwutimpfstoffproduktionslabors

in Gebieten mit terrestrischer Tollwut

  • Wildhüter, Waldarbeiter, Förster, Jäger, Tierpräparatoren
  • medizinisches Personal
  • Reisende mit hohem Individualrisiko ( Rucksacktouristen, Velofahrer) Aufenthalt über 4 Wochen

Präexpositionelle Impfung: 3 Dosen i.m. an den Tagen 0, 7 und 28 (oder 21) sowie zusätzlich eine Booster-Impfung nach 12 Monaten